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Autismus-Spektrum-Störung

Reize können nicht angemessen eingeordnet werden

Wie der Begriff es schon ausdrückt, umfassen Autismus-Spektrum-Störungen einen weiten Bereich an Ausprägungen von Autismus. Damit kann die Störung eines Kindes, das kognitiv sehr stark eingeschränkt ist, sehr früh Auffälligkeiten zeigt und immer, auch im Erwachsenenalter, auf sehr viel Unterstützung angewiesen sein wird, beschrieben werden.

Diese Form des Autismus, das Kanner-Syndrom, wurde nach dem austro-amerikanischen Kinder- und Jugendpsychiater Leo Kanner benannt. Er beschrieb als Erster den frühkindlichen Autismus. Ebenso können auch Menschen, die auf andere etwas eigenartig wirken, aber insgesamt über ein sehr hohes Funktionsniveau verfügen und kaum auf äußere Unterstützung angewiesen wären, mit Autismus, in diesem Fall mit dem Asperger-Syndrom, diagnostiziert werden. 

Genau diese Bandbreite macht es auch schwer, Autismus in jedem Fall schon im Kindesalter diagnostizieren zu können. Dabei kann es für die Betroffenen sehr entscheidend sein, relativ früh eine eindeutige Diagnose zu bekommen, um Anspruch auf eine entsprechende Unterstützung wie Nachteilsausgleich in der Schule zu bekommen.

Autismus wird inzwischen nicht mehr einfach nur als eine psychische Störung verstanden. Man geht davon aus, dass sich Menschen auch in neurologischer Hinsicht unterscheiden und spricht deshalb von Neurodiversität.

Lesen Sie mehr über Neurodiversität. 

Ursachen

Psychische Störungen haben meist verschiedene Ursachen, die Genetik spielt eine Rolle, aber auch andere Faktoren wie das soziale Umfeld oder belastende oder traumatisierende Ereignisse und das gilt wahrscheinlich auch für  Autismus. 

Doch die genauen Ursachen sind bis heute nicht geklärt. Die Forschung geht davon aus, dass bei der Entstehung von Autismus neben einer genetischen  Disposition vor allem biologische Abläufe, die vor, während und nach der Geburt die Entwicklung des Gehirns beeinträchtigen, entscheidend sind.

Diagnose

Autismus-Spektrum-Störungen lassen sich ab dem Lebensalter von eineinhalb bis zwei Jahren erstmalig diagnostizieren.

Asperger-Syndrom

Kinder mit Asperger-Syndrom, einer hochfunktionalen Form des Autismus, können hingegen meist erst im Alter von drei bis vier Jahren diagnostiziert werden.

Für die Umgebung, Eltern oder Erzieher, ist es sehr wichtig, früh über die Beeinträchtigungen ihrer Kinder aufgeklärt zu werden, damit sich die autistischen Verhaltensweisen ihres Kindes weniger verfestigen und das Kind durch soziale Trainings oder dergleichen, andere oder zusätzliche Strategien im Umgang mit ihren Mitmenschen erlernen kann.

Einfluss auf kommunikative und soziale Fähigkeiten

Aktuelle Studien zeigen, dass die Entwicklung des kindlichen Gehirns auf positive Weise beeinflusst werden kann, je früher ein Kind mit Autismus in gezielter Weise familiär und therapeutisch gefördert wird. Die früh einsetzende autismusspezifische Therapie hilft, die fehlenden Fähigkeiten der Kinder auszugleichen und die Stärken der Kinder zu erweitern.

Das Asperger Syndrom, benannt nach dem österreichischen Kinderarzt und Heilpädagogen Johann Karl Friedrich Asperger, der 1943 es erstmals beschrieb, hat einen großen Einfluss auf die kommunikativen und sozialen Fähigkeiten der betroffenen Kinder und Jugendlichen und beeinflusst stark deren kognitive und emotionale Entwicklung.

Dieses Syndrom kann sich außerdem durch stereotype Verhaltensweisen und ein zwanghaftes Festhalten an Ritualen und täglichen Abläufen äußern. Die Betroffenen zeigen eine oft eingeschränkte Selbstwahrnehmung und geringes Einfühlungsvermögen in andere Menschen. Sie verfügen meist über eine normale bis überdurchschnittliche Intelligenz.

Das Asperger-Syndrom kann auch in Kombination mit anderen psychischen Störungen, zum Beispiel ADHS, auftreten, wobei es dann Überschneidungen bei den Symptomen gibt.

Reize können nicht angemessen eingeordnet werden

Das auffälligste Merkmal bei Autismus-Erkrankungen ist, dass die Betroffenen zwar die von ihrer Umgebung ausgehenden Reize sinnlich wahrnehmen, aber nicht richtig verarbeiten, koordinieren und einordnen können. Dadurch kann der Betroffene das Verhalten seiner Mitmenschen im Grunde nicht wirklich nachvollziehen und sich nicht in sie hineinversetzen. Er verfügt über zu geringe kommunikative Kompetenzen, selbst sein Verhalten daran zu orientieren.

Das Asperger-Syndrom ist eine Störung, durch die auch das Selbstwertgefühl der Betroffenen stark in Mitleidenschaft gezogen werden kann. Sie spüren die Irritationen, die sie in der sozialen Interaktion hervorrufen und erkennen die Grenzen ihrer Kommunikationsfähigkeiten.

Jugendliche Betroffene erleben es häufig, dass sie anecken, weil sie die steigenden sozialen Anforderungen nicht erfüllen können. Dadurch ziehen sie sich mitunter noch mehr zurück oder werden besonders aktiv und führen einseitige und überfordernde Gespräche mit ihrem Umfeld.

Bei älteren Kindern werden die Anzeichen, die für Autismus sprechen, klarer:

  • außergewöhnlicher Sprachstil
  • abnormale Körperhaltung
  • sich immer wiederholende Bewegungen wie etwa Headbangen, also den Kopf schnell vor- und rückwärts, seitwärts, im Kreis oder in Achterform bewegen
  • auffallend aggressives oder allzu ängstliches Verhalten
  • vermeiden von Blick- und Körperkontakt, Mimik oder Gestik
  • Schwierigkeiten beim Verständnis einfacher Fragen, Anweisungen und Ironie
  • häufige Wiederholung von Wörtern und Sätzen
  • von sich selbst in der dritten Person sprechen
  • Überempfindlichkeit
  • starre Routine und Anpassungsschwierigkeiten
  • zwanghafte Ordnungsprinzipien
  • ausgeprägte Sonderinteressen
  • Probleme, eigene Gefühle zu verstehen und auszudrücken
  • Fehlende Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen und subtile nonverbale Hinweise zu interpretieren
  • Distanziertheit und fehlendes Interesse am Spielen
  • Probleme, Gespräche aufrechtzuerhalten
  • Große Mühe, soziale Kontakte aufzubauen

Symptome

Auftretende Symptome können in unterschiedlichen Ausprägungen und Beeinträchtigungen und auch in individuell wechselnder Häufigkeit erscheinen:

  • besondere Vorliebe für konstruktive und anforderungsreiche Gedulds- und Kombinationsspiele
  • kein kreatives Spielen und Beschäftigung meistens mit dem gleichen Spielzeug
  • keine aktive Teilnahme an einer Gruppentätigkeit oder Gruppenspiel über einen längeren Zeitraum
  •  Alltagsgefahren, zum Beispiel im Straßenverkehr, werden nicht erkannt
  • unbegründete Ängste vor gewöhnlichen Gegenständen
  • körperliche Nähe und Berührungen werden als unangenehm empfunden
  • der Augenkontakt wird gemieden
  • die Sprache fehlt oder wird nicht zur Kommunikation eingesetzt
  • kein Interesse an anderen Menschen
  • auffälliges Spielverhalten mit Neigung zu stereotypen Wiederholungen
  • auffällige Hand- oder Körperbewegungen
  • Faszination an drehenden oder sich bewegenden Dingen
  • besondere Kenntnisse oder Leistungen in eingegrenzten Gebieten

Etwa ein Prozent der Bevölkerung in Deutschland lebt mit Asperger-Autismus. 

Psychotherapie

Autismus ist nicht heilbar, deshalb spricht man davon immer weniger als Störung, sondern als eine besondere neurologische Ausprägung eines Menschen. 

Trotzdem ist es wichtig, dass Betroffene durch Therapie und Trainings darin unterstützt werden, ihr Leben entsprechend ihrer Fähigkeiten und Bedürfnisse gestalten zu können.

Erfahren Sie mehr über die verschiedenen Psychotherapien und Trainings.

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