Internetsucht (Seite 2/6)

Süchtig nach Online-Spie­len und sozialen Me­dien

Internetsucht oder Onlinesucht können ganz unterschiedliche Gestalten annehmen

Ein schädlicher Gebrauch oder eine süchtige Nutzung digitaler Medien sind in Deutschland und weltweit zunehmend ein Problem – vor allem bei jüngeren Menschen. Aktuelle Statistiken legen nahe, dass die Zahl der Betroffenen in letzter Zeit gestiegen ist und in den nächsten Jahren weiter ansteigen wird.

So wird geschätzt, dass in Deutschland etwa 560.000 bis 1,5 Millionen Menschen onlineabhängig sind – das sind 1 bis 3 Prozent der Bevölkerung. Bei 4,6 Prozent liegt eine problematische Internetnutzung vor: Sie nutzen vier Stunden oder mehr am Tag zwanghaft das Internet.

Bei Jugendlichen und jungen Menschen ist die Zahl der Betroffenen deutlich höher: Laut einer Studie sind 2,4 Prozent der 14 bis 24-Jährigen von einer Online-Sucht betroffen, bei 13 Prozent liegt eine problematische Internetnutzung vor.
Frauen leiden in etwa genauso häufig an einer Internetsucht wie Männer. Dabei hat sich gezeigt, dass Frauen eher zu einer exzessiven Nutzung sozialer Medien neigen, Männer eher zum exzessiven Computerspielen.

Die Formen der Interntesucht oder Onlinesucht

Internet, Computer und Smartphone können zu ganz unterschiedlichen Zwecken genutzt werden. Deshalb sind auch ganz verschiedene Bereiche einer Internetsucht möglich.

So kann es sein, dass jemand übermäßig häufig Computer- oder Virtual-Reality-Spiele spielt. Dabei hat sich gezeigt, dass vor allem Online-Rollenspiele (wie zum Beispiel „World of Warcraft“) ein hohes Suchtpotential haben, aber auch Shooter-Spiele und – etwas weniger ausgeprägt – Strategie- und Simulations-Spiele.

Die Sucht kann sich auch auf eine übermäßige Nutzung von Kommunikationsmedien (zum Beispiel Internetforen, soziale Netzwerke, Chatten, E-Mail-Schreiben) beziehen. Online kann man relativ einfach Kontakte pflegen, kommt leicht mit Fremden in Kontakt und hat so das Gefühl, nicht alleine zu sein. Bei der problematischen Nutzung sozialer Medien spielt oft auch die Angst, etwas zu verpassen (englisch: „Fear of Missing Out“ oder FOMO), eine Rolle. Die Betroffenen haben ständig Angst, Aktivitäten von Freunden zu verpassen. Sie haben das Bedürfnis, ständig online zu sein und ihre eigenen Aktivitäten online mitzuteilen. Außerdem fühlen sie sich nervös und unruhig, wenn sie nicht wissen, was ihre Freunde oder ihre Kontakte in sozialen Netzwerken gerade tun.

Es kann auch sein, dass sich psychische Störungen, die auch ohne Internet vorkommen, „ins Internet verlagern“: etwa eine Kaufsucht, Glücksspielsucht oder Sexsucht. Die Betroffenen kaufen übermäßig viel im Internet ein, spielen exzessiv Glücksspiele oder verbringen viel Zeit mit dem Besuch von Sexseiten.

Eine andere Form der Online-Sucht kann das exzessive Suchen und Sammeln von Informationen im Internet oder zeitintensive Optimierungsarbeiten am Computer sein. Durch technische Neuerungen könnten in Zukunft weitere Formen der Sucht oder des problematischen Gebrauchs digitaler Medien hinzukommen.

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