Dissoziative Störungen (Seite 6/6)

Medikamentöse Behandlung

In manchen Fällen ist es sinnvoll, begleitend zur Psychotherapie eine medikamentöse Behandlung durchzuführen. Es gibt allerdings bisher keine Medikamente, die speziell bei dissoziativen Symptomen wirksam sind. Deshalb werden meist Medikamente eingesetzt, die die mit der dissoziativen Störung verbundenen anderen psychischen Erkrankungen bzw. Symptome  lindern sollen.

Liegen zum Beispiel depressive Symptome oder Symptome einer Posttraumtischen Belastungsstörung vor, können sie mit Antidepressiva behandelt werden. Dabei werden meist neuere Antidepressiva aus der Gruppe der selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI) eingesetzt. Antidepressiva können dazu beitragen, die Stimmung zu verbessern, Ängste zu lindern und den Antrieb zu erhöhen oder auch zu verringern. Bei Schlafstörungen können beruhigend wirkende Antidepressiva wie Mirtazapin oder Trazodon hilfreich sein.

Kommt es bei einem Patienten zu starken Stimmungsschwankungen, können Mood Stabilizer (Antiepileptika) verschrieben werden. Diese haben zum Teil auch eine antidissoziative Wirkung.

Benzodiazepine (Beruhigungsmittel) werden bei Patienten mit dissoziativen Störungen aus verschiedenen Gründen verordnet: Etwa, um die erhöhte Erregung zu verringern oder Angst zu lindern. Dabei ist zu beachten, dass Benzodiazepine schon nach relativ kurzer regelmäßiger Einnahme (etwa vier Wochen) abhängig machen können. Deshalb sollten sie höchstens als „Notfallmedikamente“ über einen kurzen Zeitraum eingenommen werden, zum Beispiel bei akuten Krisen.

Liegt gleichzeitig zur dissoziativen Störung eine psychotische Erkrankung vor oder ähneln die Symptome denen einer Psychose, können Neuroleptika (Medikamente zur Behandlung von Psychosen) verordnet werden. Sie werden in manchen Fällen auch eingesetzt, um schwer beeinflussbare Flashbacks oder sich aufdrängende Erinnerungen zu dämpfen. In diesen Fällen ist oft eine relativ niedrige Dosierung ausreichend. Die Behandlung mit Neuroleptika sollte nur über längere Zeit fortgesetzt werden, wenn sie tatsächlich zu einer Besserung der Symptome führt.

Quellen:

  • Fiedler, Peter (2009). Dissoziative Störungen. In: Margraf, J. & Schneider, S. (Hrsg.): Lehrbuch der Verhaltenstherapie, Band 2. Springer Verlag, Heidelberg. S. 477-495.
  • Diagnostik und Behandlung komplexer dissoziativer Störungen. Webseite des Infonetzes Dissoziation
  • Sonnenmoser, Marion (2004). Dissoziative Störungen: Häufig fehlgedeutet. Deutsches Ärzteblatt PP, Heft 8, S. 372-373.
  • DIMDI (2016). Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme, 10. Revision, German Modification (ICD-10-GM). Version 2016
  • * Fallbeispiel angelehnt an: Fiedler, Peter (2008). Dissoziative Störungen und Konversion: Trauma und Traumabehandlung. Beltz PVU, Weinheim.
  • ** Fallbeispiel angelehnt an: Fiedler, Peter (2009). Dissoziative Störungen. In: Margraf, J. & Schneider, S. (Hrsg.): Lehrbuch der Verhaltenstherapie, Band 2. Springer Verlag, Heidelberg. S. 477-495.
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