Volkskrankheit Depression (Seite 6/7)

Tipps bei Depressionen

Während einer Psychotherapie lernen depressive Patienten, wie sie Belastungen abbauen und die Wahrscheinlichkeit negativer Stimmung verringern können. Ähnliche Strategien können auch dazu beitragen, einer depressiven Erkrankung vorzubeugen.

Tipps zur Vorbeugung

  1. Belastungen im Leben, die häufig eine Depression auslösen, lassen sich nicht einfach „ausschalten“. Versuchen Sie jedoch, einen Ausgleich zu schaffen oder Wege zu finden, wie Sie mit einer Belastung besser umgehen können.
  2. Planen Sie zum Beispiel regelmäßig positive, angenehme Aktivitäten in ihren Tagesablauf ein. Gehen Sie regelmäßig Ihren Hobbies nach und gönnen Sie sich nach anstrengenden Tätigkeiten eine Belohnung.
  3. Versuchen Sie, auch in schwierigen Phasen die positiven Aspekte des Lebens und Ihre eigenen Stärken nicht aus den Augen zu verlieren. Erkennen Sie Ihre eigenen (auch kleinen) Erfolge an und seien Sie stolz darauf.
  4. Ein stabiles, unterstützendes soziales Netzwerk kann vor Depressionen schützen. Halten Sie daher regelmäßig Kontakt zu Freunden und Bekannten und sprechen Sie bei Schwierigkeiten und Belastungen mit einem Menschen Ihres Vertrauens.
  5. Achten Sie auf regelmäßige Bewegung. Studien haben ergeben, dass Sport die Ausschüttung von Substanzen fördert, die sich positiv auf die Stimmung auswirken und das Selbstwertgefühl stärken. Die sportliche Aktivität sollte regelmäßig drei bis vier Mal pro Woche für 30 bis 60 Minuten stattfinden.
  6. Lernen Sie, auf Ihre eigenen Bedürfnisse zu achten und sich vor Überforderung zu schützen, indem Sie auch manchmal „nein“ sagen.
  7. Hält die niedergeschlagene Stimmung oder Antriebslosigkeit länger an, suchen Sie einen Arzt auf.

Darüber hinaus ist es für Patienten, die bereits eine oder mehrere depressive Phasen erlitten haben, von großer Bedeutung, einem Rückfall in die Depression vorzubeugen. Hier sollten zusätzliche Verhaltensregeln beachtet werden.

  1. Akzeptieren Sie Ihre Depression als Krankheit. Auf diese Weise können Sie Ihre Lebensführung bewusst so gestalten, dass Sie erneuten depressiven Phasen vorbeugen und bei ersten Anzeichen eines Rückfalls rechtzeitig reagieren können.  
  2. Denken Sie daran, dass Depressionen gut behandelbar sind.
  3. Behalten Sie die Strategien im Gedächtnis, die Sie in einer Psychotherapie gelernt haben, und wenden Sie diese regelmäßig an.
  4. Wenden Sie sich bei ersten Anzeichen eines Rückfalls so bald wie möglich an einen Arzt. Je früher eine Behandlung eingeleitet wird, desto schwächer und kürzer wird die nächste depressive Phase ausfallen.

Tipps für Angehörige

Für Angehörige ist es oft nicht leicht, mit einem depressiven Familienmitglied zu leben. Viele wissen nicht, wie sie mit dem Betroffenen am besten umgehen sollen, fühlen sich hilflos, ärgern sich vielleicht über den Erkrankten oder fragen sich, was sie selbst falsch gemacht haben. Dauert die Depression längere Zeit an, fühlen sich viele Angehörige überlastet oder sogar völlig erschöpft – denn sie müssen nun viele Aufgaben übernehmen, die früher der Patient selbst erledigt hat.

Folgende Ratschläge können helfen, mit der Depression eines Angehörigen besser umzugehen: (orientiert an Tipps vom „Kompetenznetz Depression“):

  1. Akzeptieren Sie, dass Ihr Angehöriger krank ist. Eine Depression ist kein Zeichen von Willensschwäche – sie kann aber durch eine konsequente Behandlung geheilt werden.
  2. Holen Sie sich fachliche Hilfe. Viele  Depressive glauben entweder nicht, dass jemand ihnen helfen kann, oder sie fühlen sich nicht in der Lage, zum Arzt zu gehen. Vereinbaren Sie deshalb für Ihren Angehörigen einen Arzttermin und begleiten Sie ihn zu einem Besuch beim Arzt.
  3. Versuchen Sie nicht, Ihrem Angehörigen gut zuzureden – zum Beispiel mit Sätzen wie: „Das wird schon wieder“ oder „Reiß dich zusammen“. Solche Aufforderungen führen eher dazu, dass der Erkrankte sich noch schlechter fühlt.
  4. Bringen Sie Geduld auf. Viele Depressive ziehen sich zurück, sind weniger unternehmungslustig, klagen ständig und sehen keine Hoffnung mehr für sich. In diesen Situationen brauchen Angehörige viel Geduld. Es bringt nichts, mit dem Betroffenen darüber zu streiten, ob seine Sichtweise gerechtfertigt ist. Machen Sie ihm stattdessen deutlich, dass er unter einer Erkrankung leidet, die behandelbar ist und mit der Zeit wieder vergeht.
  5. Versuchen Sie, den Erkrankten zu motivieren. Unterstützen Sie ihn, wenn er Eigeninitiative zeigt– zum Beispiel zu ersten eigenen Schritten, die ihn aus der Depression herausführen. Setzen Sie ihn dabei aber nicht unter Druck und überfordern Sie ihn nicht.
  6. Achten Sie auf sich selbst, anstatt sich für Ihren Angehörigen aufzuopfern. Wenn ein Familienmitglied längere Zeit depressiv ist, ist dies für nahestehende Menschen sehr belastend. Nehmen Sie sich deshalb auch mal Zeit für sich. Tun Sie sich etwas Gutes und gehen Sie weiterhin auch Ihren eigenen Interessen nach. Halten Sie Kontakt mit Freunden und Bekannten und bauen Sie sich ein Netzwerk auf, das Ihren depressiven Angehörigen unterstützt.
  7. Lassen Sie Ihre Gefühle zu. Oft erleben Angehörige Gefühle der Wut, der Trauer, der Hilflosigkeit oder der Verzweiflung. Leugnen Sie diese Gefühle nicht, sondern gestehen Sie sich ein, dass sie sich so fühlen. Oft ist es hilfreich, mit einem nahestehenden Menschen oder in einer Angehörigengruppe über seine Gefühle zu sprechen.
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