Volkskrankheit Depression (Seite 3/7)

Schweregrade und Formen

Nasser Weg in den NebelEine depressive Episode kann entweder als leicht, mittelgradig oder schwer klassifiziert werden – je nachdem, wieviele Symptome vorliegen und wie stark der Patient dadurch in seiner alltäglichen Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist.

So fühlt sich jemand mit einer leichten Depression zwar belastet, kann jedoch seinen beruflichen und privaten Aufgaben noch weitgehend nachkommen.

Bei einer mittelgradigen Depression ist diese Fähigkeit bereits deutlich eingeschränkt – so fällt es den Betroffenen schwer, beruflichen Anforderungen nachzukommen, und privat ziehen sie sich vor Familie und Freunden zurück. Während einer schweren depressiven Episode sind die Patienten oft nicht mehr in der Lage, für sich selbst zu sorgen. Viele liegen fast nur noch im Bett, vernachlässigen die Körperpflege und nehmen kaum noch Nahrung zu sich. In diesem Fall ist häufig eine stationäre Behandlung im Krankenhaus notwendig.

In seltenen Fällen erlebt ein Patient mit schweren depressiven Symptomen zusätzlich auch Wahngedanken. Diese drehen sich häufig um die Vorstellung, an einer bestimmten Krankheit zu leiden, plötzlich in Armut zu geraten oder die Schuld an bestimmten Ereignissen zu tragen – wobei diese Gedanken unberechtigt oder zumindest stark übertrieben sind.

Depression, Manisch-Depressive Erkrankung und Dysthymie

Neben verschiedenen Schweregraden lassen sich auch unterschiedliche Arten einer Depression unterscheiden. So kann eine Phase mit depressiven Symptomen nur  einmalig auftreten. Nach einer ersten depressiven Episode können jedoch erneut depressive Episoden eintreten – man spricht dann von einer rezidivierenden depressiven Störung, also einer Depression mit Rückfällen.

Bei der überwiegenden Zahl der Betroffenen treten ausschließlich depressive Phasen auf. Sie leiden unter einer unipolaren Depression – die Stimmung ist also phasenweise zum negativen „Pol“ hin verschoben. Weniger als ein Prozent der Bevölkerung sind dagegen von Stimmungsschwankungen betroffen, die sich sowohl in Phasen mit großer Niedergeschlagenheit als auch in Phasen mit gehobener Stimmung und gesteigertem Antrieb äußern. Man spricht in diesem Fall von einer bipolar-affektiven Störung oder einer manisch-depressiven Erkrankung.

Darüber hinaus leiden manche Menschen an depressiven Symptomen, die zwar weniger stark ausgeprägt sind als bei einer „klassischen“ Depression – dafür halten die Beschwerden aber chronisch über Jahre an. Dieses Krankheitsbild, das meist im jungen Erwachsenenalter beginnt, wird auch als Dysthymie bezeichnet.

Sonderformen

Eine Sonderform der Depression ist die so genannte Winterdepression. Hier treten die Symptome in den Herbst- und Wintermonaten auf und werden offenbar durch einen Mangel an Sonnenlicht ausgelöst. Typische Symptome der Winterdepression sind eine anhaltende Müdigkeit und ein Heißhunger auf Süßigkeiten.

Daneben können bei Frauen auch starke hormonelle Schwankungen eine depressive Episode auslösen. Dies ist zum Beispiel bei der Schwangerschaftsdepression der Fall, die bis zu 10 Prozent der Schwangeren betrifft. Auch bei der so genannten Wochenbettdepression oder postpartalen Depression, an der 10 bis 15 Prozent der Frauen nach der Geburt leiden, spielen hormonelle Veränderungen eine wichtige Rolle.