Stimmungsextreme (Seite 2/6)

Manie: Symptome und Definition

Übersteigertes Hochgefühl und Risikoverhalten

Herr S. erlebte seine erste manische Phase im Alter von 31 Jahren. Er arbeitete als Angestellter in einer Softwarefirma und war in seinem Beruf relativ erfolgreich. Zu dieser Zeit fing er an, Arbeit mit nach Hause zu nehmen. Er arbeitete oft fast die ganze Nacht durch, schlief nur noch zwei bis drei Stunden und führte lange internationale Telefonate. Dabei hielt er sich selbst für unersetzbar und war überzeugt, bald die endgültige Lösung für alle Computerprobleme zu finden. Im Lauf der Zeit wurde sein Verhalten immer chaotischer.

Auf die besorgten Äußerungen seiner Frau reagierte er aggressiv und gereizt. Als er seiner Frau schließlich wieder einmal androhte, sie zu schlagen, rief diese die Polizei. Dies führte zu seiner ersten Einweisung in eine psychiatrische Klinik. Im weiteren Verlauf verlor Herr S. bei weiteren manischen Phasen immer wieder seinen Arbeitsplatz – zum Beispiel, weil er eigenmächtig Computersysteme seiner Firma veränderte.

Mehrere Aufenthalte in der Psychiatrie führten zu „Lücken“ in seinem Lebenslauf, so dass er immer schwerer eine Anstellung fand. Inzwischen ist Herr S. 47 Jahre alt und arbeitet als Lkw-Fahrer. Er fühlt sich in diesem Job unterfordert und verdient deutlich weniger als früher. Seine Frau hat sich inzwischen von ihm scheiden lassen.*)

Um die Diagnose einer Manie zu stellen, müssen die gehobene Stimmung und einige der weiteren Symptome mindestens eine Woche lang anhalten und schwere Beeinträchtigungen in der Lebensführung nach sich ziehen, zum Beispiel im Beruf, bei den sozialen Beziehungen oder bei anderen Aktivitäten. Die Symptome dürfen nicht durch Alkohol oder Drogen und nicht durch eine organische Krankheit bedingt sein.

Definition Manie: Eine Manie (von altgriechisch μανία maníā ‚Raserei‘, ‚Wut‘, ‚Wahnsinn‘) ist eine affektive Störung, die meist phasenweise verläuft. Antrieb und Stimmung sind in einer Manie weit über dem Normalniveau. Die Manie ist in ihrer Entstehung und Aufrechterhaltung multifaktoriell bedingt. Hereditäre und psychosoziale Belastungen, Störungen im Serotonin-, Katecholamin- und GABA-Stoffwechsel werden als Faktoren angeführt. In einer Manie reduziert sich der Schlaf und es kommt zu einer Überanstrengung von Gehirnbereichen, wodurch dann, wenn es nicht zu einer Behandlung kommt, psychotische Symptome ausgelöst werden können.

Nach der internationalen Klassifikation psychischer Störungen (ICD-10) treten bei einer Manie folgende Symptome auf:  Als Hauptsymptome liegt eine nicht zur Situation passende gehobene Stimmung vor. Sie kann von sorgloser Heiterkeit bis zu fast unkontrollierbarer Erregung reichen.

Weitere Symptome sind:

  • ein gesteigerter Antrieb oder motorische Ruhelosigkeit
  • gesteigerte Gesprächigkeit („Rededrang“)
  • Ideenflucht oder subjektives Gefühl von Gedankenrasen
  • Übliche soziale Hemmungen gehen verloren, was zu einem den Umständen unangemessenen Verhalten führt
  • ein vermindertes Schlafbedürfnis
  • Aufmerksamkeit kann nicht mehr aufrecht erhalten werden, stattdessen kommt es oft zu starker Ablenkbarkeit oder andauernden Wechseln von Aktivitäten oder Plänen
  • Selbstüberschätzung, Größenideen bis hin zu Größenwahn oder maßloser Optimismus
  • tollkühnes oder leichtsinniges Verhalten, dessen Risiken die Betroffenen nicht erkennen, zum Beispiel übertriebene Geldausgaben
  • Wahrnehmungsstörungen, zum Beispiel verstärkte Wahrnehmung von Farben oder Geräuschen
  • Gesteigerte Libido oder sexuelle Taktlosigkeit

Manien sind meist mit sehr problematischem Verhalten verbunden, bei dem die Betroffenen auch sich selbst oder andere gefährden können. Außerdem treten zum Teil Wahnvorstellungen (zum Beispiel Größenwahn) und Halluzinationen auf. Deshalb werden Menschen in einer manischen Phase oft zu einer stationären Behandlung in die Psychiatrie eingewiesen.

Hypomanie: Wenig Sinn für Realität

Die Symptome einer Hypomanie ähneln denen einer Manie. Sie sind aber weniger schwer ausgeprägt, so dass meist kein Klinikaufenthalt notwendig ist. Außerdem treten bei einer Hypomanie keine Wahnvorstellungen und Halluzinationen auf. Allerdings darf man eine Hypomanie auch nicht mit einer Phase besonders guter Stimmung verwechseln. Während eine gute Stimmung Gründe hat und an bestimmte Situationen gebunden ist, ist die Stimmungslage bei einer Hypomanie anhaltend und deutlich gegenüber dem normalen Verhalten verändert. Das hypomanische Verhalten wird von anderen als unangemessen erlebt und führt oft zu zwischenmenschlichen Problemen.

Das ICD-10 nennt folgende Kriterien: Als Hauptsymptom zeigt sich eine deutlich gehobene oder gereizte Stimmung. Weitere Symptome sind:

  • ein gesteigerter Antrieb und gesteigerte Aktivität
  • ein vermindertes Schlafbedürfnis
  • eine gesteigerte Gesprächigkeit
  • Selbstüberschätzung
  • ein auffallendes Gefühl von Wohlbefinden und körperlicher und seelischer Leistungsfähigkeit
  • gesteigerte Geselligkeit
  • eine übermäßige Vertrautheit
  • ein gesteigerter Sexualtrieb
  • flegelhaftes Verhalten

Die gehobene Stimmung und einige weitere Symptome müssen mindestens ein paar Tage lang anhalten und zumindest leichte Beeinträchtigungen in der Lebensführung nach sich ziehen. Sie dürfen wie bei der Manie nicht auf Alkohol oder Drogen oder auf eine organische Krankheit zurückzuführen sein.