Diagnose Bipolare Störung

Wiederkehrende emotionale Achterbahnfahrten

14.08.2013Von Dr. Christine Amrhein

Wenn jemand voller Schwung, Unternehmungslust und guter Laune ist, sich selbstbewusst fühlt und den Kontakt zu anderen Menschen sucht, würde man dies spontan wohl kaum als psychische Störung ansehen. Im Gegenteil: Dem Betreffenden scheint es ausgezeichnet zu gehen, er oder sie fühlt sich gut, bringt oft besonders gute Leistungen zustande und wird von anderen als witzig und unterhaltsam erlebt.

Bester Stimmung, voller Tatendrang, selbstbewusst, kontaktfreudig und doch krank?

Hinter all diesen positiv bewerteten Eigenschaften kann sich auch ein charakteristisches psychisches Störungsbild verbergen. Dann nämlich, wenn die Energie, die geistreichen Ideen, die gute Stimmung und das Kontaktbedürfnis eindeutig zu viel werden – wenn andere sie als übertrieben und belastend erleben und sich der Betroffene dadurch selbst Schaden zufügt.

Die Rede ist von einer so genannten bipolaren Störung mit den Krankheitsbildern der Manie und Hypomanie.

Merkmale und Formen von bipolaren Störungen

Bei einer bipolaren Störung erleben die Betroffenen abwechselnd extreme Stimmungshochs und ausgeprägte Stimmungstiefs. Die Betroffenen rutschen dabei oft unmittelbar nach einer manischen oder hypomanischen Episode oder auch aus einer Phase mit ausgeglichener Stimmung in tiefe Depressionen ab.

In einer Phase der Manie oder Hypomanie fühlen sich die Betroffenen zwar ausgesprochen wohl, extrem selbstbewusst, haben sehr viel Energie und ein deutlich geringeres Bedürfnis zu schlafen. Statt einer euphorischen kann zum Teil aber auch eine deutlich gereizte Stimmung auftreten. Oft kommt es aber zu unüberlegten und sogar gefährlichen Handlungen, die weitreichende negative Folgen haben können. So machen Menschen während einer Manie spontan teure Einkäufe, leiten eigenmächtig größere Veränderungen am Arbeitsplatz ein oder vernachlässigen Verpflichtungen in der Familie und im Beruf. Dieses unbedachte Verhalten führt oft zu Verschuldung, zu Kündigungen am Arbeitsplatz, zum Scheitern von Beziehungen oder zu rechtlichen Konsequenzen.

Während einer depressiven Phase ist ihre Stimmung niedergeschlagen, sie haben kaum Energie und können sich an kaum noch etwas im Leben freuen. Dagegen ist die Stimmung in einer manischen bzw. hypomanischen Phase ausgesprochen gut, sie fühlen sich extrem selbstbewusst, haben sehr viel Energie und ein deutlich geringeres Bedürfnis, zu schlafen. Statt einer euphorischen kann zum Teil aber auch eine deutlich gereizte Stimmung auftreten. Dann fühlen sie sich niedergeschlagen und hoffnungslos, können sich an nichts mehr freuen und haben zu nichts Energie. Reue und Schuldgefühle über das, was während einer Manie oder Hypomanie passiert ist, wirken sich in einer depressiven Episode besonders stark aus. Die Symptome während einer depressiven Phase sind sehr ähnlich wie die Symptome einer „normalen“, unipolaren Depression, bei der keine Manien oder Hypomanien auftreten (Depression). Daher wird im Folgenden vor allem auf die Besonderheiten bei Manien und Hypomanien eingegangen.

Häufigkeit

Etwa ein bis zwei Prozent der Bevölkerung sind von einer manisch-depressiven Erkrankung (Bipolar-I-Störung) betroffen – Männer genauso häufig wie Frauen.  Eine Bipolar-II-Störung mit hypomanischen und depressiven Phasen kommt bei etwa vier Prozent der Bevölkerung vor, gemischte Episoden bei etwa einem Prozent der Bevölkerung.

Ist die Erkrankung jedoch einmal erkannt, können geeignete Behandlungsmaßnahmen eingeleitet werden. Am hilfreichsten hat sich dabei eine Kombination aus Medikamenten (Psychopharmaka) und Psychotherapie erwiesen. Die Medikamente können dazu beitragen, die Stimmung langfristig weitgehend stabil zu halten – und so Phasen mit Manien und Depressionen entgegenwirken. Eine Psychotherapie kann diese Behandlung sinnvoll ergänzen. Sie hilft den Betroffenen, „Experten“ ihrer Erkrankung zu werden, ein Kippen der Stimmung rechtzeitig zu erkennen und zu verhindern sowie insgesamt ein ausgewogeneres Leben zu führen.

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