Die Aufmerksamkeits-Hyperaktivitäts-Störung (Seite 3/9)

Symptome und Ursachen

Was genau zeichnet eine ADHS aus?

Eine ADHS wird von Fachleuten diagnostiziert, wenn die folgenden Kriterien zutreffend sind:

  1. ausgeprägte Unaufmerksamkeit, körperliche Unruhe und Impulsivität
  2. Symptome treten in mehreren unterschiedlichen Lebensbereichen (zum Beispiel zuhause, in der Schule, in der Freizeit) auf
  3. Symptome sind vor dem 6. Lebensjahr aufgetreten und haben mindestens sechs Monate lang bestanden

Das Diagnostische und Statistische Manual für psychische Störungen (DSM) unterscheidet außerdem eine ADHS vom vorwiegend unaufmerksamen Typ, bei der vor allem Symptome der Unaufmerksamkeit auftreten, und eine ADHS vom vorwiegend hyperaktiv-impulsivem Typ, bei der vor allem Symptome der Hyperaktivität und Impulsivität auftreten.

Wenn zusätzlich zu Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität auch Probleme im sozialen Verhalten bestehen, spricht man laut internationaler Klassifikation psychischer Störungen (ICD-10) von einer hyperkinetischen Störung des Sozialverhaltens (oder: ADHS mit Störung des Sozialverhaltens).

Wie häufig kommt eine ADHS bei Kindern und Jugendlichen vor?

In internationalen und deutschen Studien wird die Häufigkeit einer ADHS, die die diagnostischen Kriterien (nach ICD oder DSM) erfüllt, mit etwa drei bis fünf Prozent der Schulkinder angegeben. Dabei sind Jungen etwa drei- bis fünf Mal häufiger betroffen als Mädchen.

Was sind mögliche Ursachen einer ADHS?

Wie bei anderen psychischen Erkrankungen geht man davon aus, dass biologische, psychische und soziale Faktoren bei der Entstehung einer ADHS zusammenwirken.

Die bisherigen Forschungsergebnisse legen jedoch nahe, dass vor allem biologische Faktoren zur Entstehung einer ADHS beitragen. Verschiedene Studien geben Hinweise darauf, dass genetische Faktoren für die Störung von Bedeutung sind und dass im Gehirn der Betroffenen eine Störung der Neurotransmitter – der Botenstoffe zwischen den Nervenzellen – vorliegt. Diese scheint vor allem das Dopamin-System, aber auch die Botenstoffe Noradrenalin und Serotonin zu betreffen. Als Risikofaktoren für eine ADHS gelten außerdem Alkohol-, Drogen- oder Nikotinmissbrauch in der Schwangerschaft.

Studien lassen darauf schließen, dass bei ADHS eine fehlerhafte Informationsverarbeitung im Gehirn vorliegt. Dabei sind Gehirnregionen betroffen, die mit Aufmerksamkeit, Konzentrationsfähigkeit und der Kontrolle von Impulsen zu tun haben. Es wird vermutet, dass die Betroffenen neue Reize, aber auch neue Gedanken und Verhaltensimpulse nicht ausreichend hemmen oder filtern können und deshalb Schwierigkeiten haben, sich auf eine bestimmte Sache zu konzentrieren.

Psychische und soziale Faktoren tragen demnach weniger dazu bei, dass eine ADHS entsteht. Sie beeinflussen aber, wie früh die Störung beginnt, wie schwer sie ausgeprägt ist und welchen Verlauf sie nimmt.

Ungünstige Faktoren sind Konflikte in der Familie oder in der Partnerschaft der Eltern, psychische Erkrankungen der Eltern oder problematische Erziehungspraktiken. Dazu gehören ein inkonsequenter oder sehr autoritärer Erziehungsstil sowie häufige Kritik und Bestrafungen. Außerdem kann ein unstrukturierter Tagesablauf dazu beitragen, dass die Symptome einer ADHS verstärkt auftreten.