ADHS Erwachsene (Seite 4/4)

Therapie mit Spezialisten

Patient arbeitet aktiv an mehr psychischem Wohlbefinden

Die Behandlung der ADHS ist in der Regel multimodal, das heißt, dass eine Behandlung mit Medikamenten mit Maßnahmen der Psychoedukation oder einer Psychotherapie kombiniert wird. Welche therapeutischen Maßnahmen zum Einsatz kommen, hängt vom Schweregrad der Symptome, dem Grad der Beeinträchtigung und auch von den Wünschen des Patienten ab. Die Therapie findet in der Regel ambulant statt. Sie sollte von einem auf ADHS spezialisierten Experten durchgeführt werden. Das kann ein ärztlicher oder psychologischer Psychotherapeut, ein Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, für psychosomatische Medizin oder für Neurologie sein.

Ziel der Therapie ist es, die ADHS-Symptome zu verringern, Probleme im Alltag und in Beziehungen zu reduzieren und so auch das Selbstwertgefühl des Patienten zu stärken. Gleichzeitig sollen weitere psychische Störungen wie Depressionen, Ängste oder eine Suchtproblematik verringert werden. Bei der Therapie ist eine aktive Mitarbeit des Patienten wichtig. Er soll lernen, selbst Verantwortung für sein psychisches Wohlbefinden zu übernehmen und aktiv an Veränderungen mitzuarbeiten.

Bei einer leichten bis mittelschweren Symptomatik können Medikamente, eine Psychotherapie oder eine Kombination aus beidem eingesetzt werden, wobei auch die Präferenzen des Patienten berücksichtigt werden. Wenn der Betroffene keine Medikamente nehmen möchte oder wenn diese (zum Beispiel wegen Nebenwirkungen) nicht verordnet werden können, kommt nur eine Psychoedukation oder Psychotherapie zum Einsatz. Bei einer schwer ausgeprägten ADHS-Symptomatik ist in der Regel eine Behandlung mit Medikamenten sinnvoll, die durch eine ausführliche Psychoedukation oder eine Psychotherapie ergänzt werden sollte. Weiterhin sollte zusätzlich zu einer Medikation auf jeden Fall eine Psychotherapie durchgeführt werden, wenn sich die Symptome durch die Medikamente nicht ausreichend bessern.

Übergang der Behandlung vom Jugend- zum Erwachsenenalter

Wenn Jugendliche, die wegen einer ADHS in Behandlung sind, volljährig werden, sollten sie sich schon frühzeitig einen neuen Behandler zu suchen, der für Erwachsene zuständig ist. Voraussetzung dafür ist, dass weiterhin eine behandlungsbedürftige ADHS oder andere psychische Störung besteht. Erwachsene bis zum 21. Lebensjahr können noch von einem Kinder- und Jugendpsychiater oder -psychotherapeuten behandelt werden, müssen aber spätestens ab dem 21. Lebensjahr einen Behandler aufsuchen, der für Erwachsene zuständig ist. Der aktuelle Therapeut kann den Patienten oft direkt an einen Therapeuten für Erwachsene überweisen oder ihm helfen, einen neuen Therapieplatz zu finden. Weiterhin sollte er seine Patienten umfassend über die Versorgungsmöglichkeiten für Erwachsene mit ADHS informieren.

Psychoedukation

Eine Psychoedukation ist bei Erwachsenen mit ADHS ein wichtiger Bestandteil der Behandlung. Hierbei werden die Betroffenen umfassend über das Störungsbild der ADHS, seine Entstehung und den Verlauf der Erkrankung aufgeklärt. Dies kann für die Patienten bereits sehr hilfreich und entlastend sein. Außerdem erhalten sie Informationen über die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten und lernen, wie sie besser mit der Erkrankung umgehen können.

Behandlung mit Medikamenten

Laut der aktuellen Leitlinie ist bei Erwachsen mit ADHS eine Behandlung mit Medikamenten auch bei einer leichten oder mittelgradigen Symptomatik ein wichtiger Bestandteil der Therapie. Bei einer schwer ausgeprägten ADHS sollten auf jeden Fall Medikamente eingesetzt werden, weil sie es oft erst ermöglichen, dass andere Therapieverfahren wirken. Die Behandlung sollte immer von Ärzten mit Erfahrung in der medikamentösen Behandlung der ADHS durchgeführt werden. Zur Therapie der ADHS bei Erwachsenen werden Stimulanzien wie Methylphenidat, Amphetamin oder Lisdesamphetamin oder Nicht-Stimulanzien wie Atomoxetin und Guanfacin eingesetzt. Derzeit sind in Deutschland die Stimulanzien Methylphenidat (Ritalin Adult, Medikenet Adult) und Lisdesamphetamin (Elvanse Adult) und das Nicht-Stimulanz Atomoxetin (Strattera) zur Behandlung bei Erwachsenen zugelassen. Guanfacin (Intuniv) ist in der EU zur Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit ADHS zugelassen und kann Off-Label auch bei Erwachsenen eingesetzt werden. Ist das anfängliche Medikament nicht oder nicht ausreichend wirksam, kann die Dosis erhöht, zu einem anderen Medikament gewechselt oder zusätzlich ein zweites Medikament gegeben werden.

Die Medikation kann die Konzentrations- und Selbststeuerungsfähigkeit verbessern, die Impulsivität vermindern und Stimmungsschwankungen verringern. Das trägt häufig dazu bei, den Leidensdruck der Betroffenen und die Einschränkungen im Alltag zu verringern. Allerdings sollte die Medikation immer mit Maßnahmen der Psychoedukation oder mit einer Psychotherapie kombiniert werden. So verbessern sich durch die Medikation zwar meist die Symptome, es bleibt aber oft eine Restsymptomatik und die Betroffenen haben weiterhin Schwierigkeiten, ihren Alltag zu bewältigen. Eine Psychoedukation oder Psychotherapie kann dann dazu beitragen, die Symptome weiter zu verringern und den Patienten helfen, im Alltag besser zurecht zu kommen.

Liegt gleichzeitig mit der ADHS eine Depression vor, werden zur Behandlung häufig auch Antidepressiva eingesetzt – insbesondere das Antidepressivum Bupropion, das die Symptome der ADHS und der Depression lindern kann. Lesen Sie hier unsere kritische Diskussion der Behandlung von ADHS mit Medikamenten.

Psychotherapie

Auch in einer Psychotherapie erhalten die Betroffenen zunächst Informationen über das Krankheitsbild, seine Entstehung und Behandlung. Als Therapieform hat sich bei Erwachsenen mit ADHS insbesondere die Verhaltenstherapie als wirksam erwiesen. Hier lernen die Patienten, alte, problematische oder ungünstige Denk- und Verhaltensmuster durch neue, geeignetere Denk- und Verhaltensweisen zu ersetzen. In den letzten Jahren wurden auch speziell auf die ADHS zugeschnittene verhaltenstherapeutische Programme entwickelt, die sich bei der Störung als wirksam erwiesen haben.

In einer Psychotherapie lernen die Patienten konkrete Strategien, um mit ihren Symptomen besser zurechtzukommen und in für sie schwierigen Situationen besser reagieren zu können. Sie lernen, sich im Alltag besser zu organisieren, ihre Stimmung besser zu regulieren und ihre Gefühle und Impulse besser zu kontrollieren. Weiterhin können sie in der Therapie ihre sozialen Kompetenzen verbessern und Strategien zur Bewältigung von Problemen und Stress erwerben. Achtsamkeits-Übungen können dazu beitragen, Distanz zu den ständig wechselnden Gedanken, Gefühlen und Handlungsimpulsen aufzubauen. Weiterhin werden in der Therapie die typischen Stärken von ADHS-Patienten wie Neugier, Kreativität, Fantasie und schnelle Auffassungsgabe gefördert.

Die Psychotherapie kann auch in der Gruppe durchgeführt werden. Das hat den Vorteil, dass die Betroffenen ihre Erfahrungen austauschen und sich bei Veränderungen und Fortschritten gegenseitig unterstützen können.

Oft ist es auch sinnvoll, den Partner oder Familienangehörige in die die Psychotherapie bzw. die Psychoedukation einzubeziehen. Es ist günstig, wenn diese gut über das Krankheitsbild der ADHS Bescheid wissen und wissen, wie sie den Betroffenen am besten unterstützen können. So können sie ihn bei der Organisation des Alltags unterstützen und ihn an wichtige Termine und Aufgaben erinnern. Zudem können sie sich geduldig und berechenbar verhalten und so dem Betroffenen Stabilität geben. Gemeinsam können in der Therapie Strategien erarbeitet werden, um die Kommunikation zu verbessern und Konflikte besser zu lösen und so einen besseren Umgang miteinander in Partnerschaft oder Familie zu ermöglichen.

Die Therapie der ADHS bei Erwachsenen findet meist ambulant statt. Eine stationäre oder teilstationäre Therapie in einer Klinik oder einer Rehabilitationseinrichtung kann sinnvoll sein, wenn mit einer ambulanten Therapie keine deutlichen Verbesserungen erreicht werden, wenn eine besonders schwere ADHS-Symptomatik oder weitere, schwere psychische Störungen vorliegen oder die psychosozialen Bedingungen besonders schwierig sind. An eine stationäre Therapie sollte sich immer eine ambulante Psychotherapie oder der Besuch einer Selbsthilfegruppe anschließen.

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Welche konkreten Maßnahmen können hilfreich sein?

Da die Symptome einer ADHS von Person zu Person sehr unterschiedlich sind, muss jeder Betroffene für sich selbst herausfinden, was ihm hilft, im Alltag besser zurecht zu kommen. Hilfreich sind oft schon einfache, konkrete Maßnahmen, etwa, seinen Tag genau zu planen, Termine und Aufgaben in einen Terminkalender oder eine Handy-App einzutragen und an gut sichtbaren Stellen Erinnerungsnotizen aufzuhängen. Damit es leichter fällt, Aufgaben anzugehen, ist es günstig, größere Aufgaben in kleine Teilschritte aufzuteilen. Sinnvoll ist es auch, Routinen einzuführen und wichtige Gegenstände (wie Schlüssel, Handy oder Portemonnaie) immer an den gleichen Ort zu legen. Beim Arbeiten oder beim Erledigen von Aufgaben ist es hilfreich, Ablenkungen zu vermeiden und an einem ruhigen Arbeitsplatz ohne störende Geräusche oder andere Ablenkungen zu arbeiten.

Quellen:

  1. AWMF online: Leitlinien: Leitlinie ADHS bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen: https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/028-045.html
  2. Informationen auf der Webseite ADHS Deutschland e. V.: www.adhs-deutschland.de/Home/ADHS/Erwachsene/ADHS-im-Erwachsenenalter.aspx
  3. Informationen über AHDS bei Erwachsenen auf der Webseite Neurologen und Psychiater im Netz: www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/psychiatrie-psychosomatik-psychotherapie/ratgeber-archiv/meldungen/article/viele-erwachsene-leiden-unbekannterweise-unter-adhs-diagnose-kann-sehr-entlastend-sein/
  4. Informationen über AHDS bei Erwachsenen auf der Webseite gesundheitsinformationen.de: www.gesundheitsinformation.de/adhs-bei-erwachsenen.2330.de.html
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