ADHS Erwachsene (Seite 3/4)

Diagnose bei Erwachsenen

Symptome der ADHS häufig nicht leicht zu erkennen

Zwar gehen die Symptome der Aufmerksamkeits-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS) bei einigen Kindern und Jugendlichen mit zunehmendem Alter zurück – bei anderen sind sie aber auch noch im Erwachsenenalter vorhanden.

Die Symptome einer ADHS beginnen immer in der Kindheit – sie treten nicht erst im Erwachsenenalter zum ersten Mal auf. Die Diagnose „ADHS“ kann also nur gestellt werden, wenn die Symptome schon in der Kindheit vorhanden waren. Das ist auch die Voraussetzung dafür, dass Ärzte spezielle ADHS-Medikamente verordnen dürfen. Es kann aber manchmal sein, dass die Probleme in der Kindheit nicht als Symptome einer ADHS erkannt wurden und die Störung deshalb erst im Erwachsenenalter festgestellt wird. Erwachsene, die vermuten, an einer ADHS zu leiden, sollten dies zeitnah diagnostisch abklären lassen und sich frühzeitig Unterstützung suchen.

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Denn eine ADHS kann auch im Erwachsenenalter gut behandelt werden. Mithilfe einer geeigneten Therapie verringern sich die Symptome meist deutlich und die Betroffenen können eine beinahe normale Leistungsfähigkeit und Lebensqualität erreichen. Wird die ADHS jedoch nicht erkannt und behandelt, haben viele Schwierigkeiten, im Alltag erfolgreich zurechtzukommen.

Während es bereits viele Einrichtungen zur Behandlung der ADHS bei Kindern und Jugendlichen gibt, sind Angebote zur Diagnostik, Beratung und Therapie bei Erwachsenen noch nicht so verbreitet. Inzwischen wird ADHS jedoch als Diagnose bei Erwachsenen anerkannt und Medikamente zur ADHS-Behandlung sind auch für Erwachsene zugelassen. Weiterhin gibt es eine Leitlinie zur Behandlung der ADHS, die auch Erwachsene einbezieht, und immer mehr Fachärzte, psychologische Psychotherapeuten und Fachambulanzen, die auf die Diagnostik und Behandlung der ADHS spezialisiert sind. Lesen Sie hier eine kritische Auseinandersetzung mit dem Störungsbild und der Diagnose von ADHS.

Diagnose durch Experten geboten

Wer vermutet, an einer ADHS zu leiden, sollte sich zur diagnostischen Abklärung an einen Experten wenden, der Erfahrung mit ADHS bei Erwachsenen hat. Geeignete Ansprechpartner sind ärztliche oder psychologische Psychotherapeuten sowie Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie, für psychosomatische Medizin oder für Neurologie. Außerdem gibt es Spezialambulanzen für Erwachsene mit ADHS.

Die Diagnostik wird in der Regel ambulant durchgeführt. Dabei sind die Kriterien für die Diagnose bei Erwachsenen im Wesentlichen die gleichen wie bei Kindern und Jugendlichen. Wichtig ist, dass die Diagnose sorgfältig gestellt wird, damit die ADHS und mögliche weitere psychische Erkrankungen erkannt und angemessen behandelt werden können.

Der Arzt oder Psychotherapeut wird daher genau erfragen, welche Symptome der ADHS im Moment vorliegen und zu welchen Problemen und Einschränkungen sie führen. Außerdem wird er fragen, ob die Symptome bereits in der Kindheit und Jugend aufgetreten sind und zu welchen Schwierigkeiten sie damals geführt haben. Weiterhin kann er spezifische Tests oder Fragebögen einsetzen, mit denen überprüft wird, ob eine ADHS vorliegt und wie stark die Symptome sind. So lassen sich beispielsweise mit dem ADHS-Selbstbeurteilungsbogen (ADHS-SB) die aktuelle Ausprägung der Symptome und der Grad der Belastung durch die Symptome erfassen. Um die Diagnose ADHS zu stellen, müssen die Symptome seit mindestens sechs Monaten bestehen und zu deutlichen Beeinträchtigungen in mehreren Lebensbereichen führen.

Für die Diagnose ist außerdem entscheidend, dass die Symptome schon in der Kindheit (im Alter unter 12 Jahren) aufgetreten sind. Hat jemand als Kind oder Jugendlicher nie die Diagnose einer ADHS erhalten, kann mit einem speziellen Fragebogen geprüft werden, ob schon in der Kindheit eine ADHS vorlag. Dazu kann der Behandler zum Beispiel die Wender-Utah-Rating-Scale (WURS-K) einsetzen.

Weiterhin wird bei der Diagnostik überprüft, ob andere psychische oder körperliche Erkrankungen vorliegen, die die Symptome erklären könnten (Differentialdiagnostik). Ähnliche Symptome wie bei einer ADHS können zum Beispiel bei einer Borderline-Störung oder einer bipolaren Störung auftreten. Schließlich wird überprüft, ob zusätzlich zur ADHS weitere psychische Erkrankungen vorliegen.