Alles Wissenswerte zu Psychotherapie (Seite 4/11)

Psychologen und Heilpraktiker

Therapeuten mit Erlaubnis zur Psychotherapie nach Heilpraktikergesetz (HPG)

Die oben beschriebenen Gruppen (Psychologische Psychotherapeuten, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten und Ärzte) haben die gleiche Zulassung zum Heilberuf: die Approbation. Daneben gibt es eine weitere Erlaubnis zur Heilkunde in Deutschland, die im „Gesetz über die berufsmäßige Ausübung der Heilkunde ohne Bestallung (Heilpraktikergesetz)“ von 1939 festgelegt ist.

Wer diese Erlaubnis hat, darf ebenfalls heilkundlich Psychotherapie ausüben. Dabei lassen sich drei Gruppen unterscheiden:

  1. Diplom-Psychologen mit Heilkunde-Erlaubnis
  2. Heilpraktiker, eingeschränkt auf das Gebiet der Psychotherapie („Kleiner Heilpraktiker“)
  3. (Voll-) Heilpraktiker (auch „Grosser Heilpraktiker“) 

Nicht nur für Laien ist es zunächst verwirrend, dass Therapeuten mit dieser Erlaubnis zur Psychotherapie den gesetzlich geschützten Begriff „Psychotherapeut“ nicht verwenden dürfen, sie dürfen jedoch in ihrer Berufsbezeichnung (z. B. auf dem Praxisschild) das Wort „Psychotherapie“ benutzen. Eine typische Bezeichnung wäre zum Beispiel: „Praxis für Psychotherapie nach dem Heilpraktikergesetz“.

Zum Erwerb der Heilkunde-Erlaubnis wird in der Regel keine bzw. nur wenig therapeutische Qualifikation verlangt. Daher machen die meisten noch eine oder mehrere Therapieausbildungen an privaten Instituten. Es gibt zahlreiche Weiterbildungsmöglichkeiten, die sich auch in Qualität und Umfang unterscheiden. Häufig gewählte Verfahren wären z.B. Gesprächstherapie, Gestalttherapie, Systemische Therapie, aber auch Psychodrama, NLP, Existenzanalyse etc. Diese Liste ließe sich lange fortsetzen. Zum Teil gibt es für diese Verfahren Dachverbände, die Ausbildungsstandards und Inhalte festlegen, die dann für von ihnen anerkannte Ausbildungsinstitute verbindlich sind.

Keine Kassen-Leistung

Diese Therapeuten können ihre Leistungen nicht mit den gesetzlichen Krankenkassen abrechnen. Von manchen privaten Krankenkassen werden die Kosten dagegen übernommen, ansonsten muss die Behandlung vom Patienten selbst gezahlt werden.

Was angeboten wird

Häufig haben sich Therapeuten dieser Gruppe auf Bereiche spezialisiert, die von der auf Krankheiten eingeschränkten, gesetzlich geregelten Psychotherapie nicht erfasst und nicht bezahlt werden: Hilfe bei Lebens- und Sinnkrisen, Unterstützung zur persönlichen Weiterentwicklung und Entfaltung, Hilfe bei Ehe- und Paarproblemen (Paartherapie), Hilfe bei Schwierigkeiten am Arbeitsplatz und Unterstützung beim beruflichen Weiterkommen (Coaching) etc.

Solange es sich ausschließlich um Beratung handelt, ist eine Heilkunde-Erlaubnis nicht notwendig. Da aber Beratung und Psychotherapie in der Praxis kaum trennbar sind, ist der Erwerb einer Heilkunde-Erlaubnis für in diesem Bereich Tätige ratsam.

Wege zur Heilkunde-Erlaubnis nach Heilpraktikergesetz

1. Diplom-Psychologen

Wer ein abgeschlossenes Studium in Psychologie mit dem Prüfungsfach „klinische Psychologie“ besitzt und mindestens 25 Jahre alt ist, erhält die „Erlaubnis zur Ausübung der Heilkunde durch Diplom-Psychologen“ ohne zusätzliche Prüfung vom Gesundheitsamt. In diesem Fall müssen lediglich ein ärztliches Attest und ein polizeiliches Führungszeugnis vorgelegt werden, um die körperliche, geistige und charakterliche Eignung zu belegen. Diese Heilkunde-Erlaubnis gilt nur für Psychotherapie, nicht zur Behandlung von körperlichen Krankheiten.

Diplom-Psychologen haben in ihrem Studium bereits eingehende Vorkenntnisse über psychische Krankheitsbilder, deren Ursachen, Verlaufsformen und Behandlungsmöglichkeiten erworben und erfüllen damit wichtige Voraussetzungen für den Beruf des Psychotherapeuten. Der Anteil an Diplom-Psychologen unter den Therapeuten mit Erlaubnis nach HPG ist relativ hoch.

2. Heilpraktiker für Psychotherapie (auch: Heilpraktiker, beschränkt auf das Gebiet der Psychotherapie)

Die Heilpraktikererlaubnis Psychotherapie wird durch die Gesundheitsämter, nach bestandener schriftlicher und mündlicher Überprüfung, erteilt. Diese umfasst Fragen zu psychiatrischen Krankheitsbildern und psychotherapeutischen Behandlungsansätzen. Um die Prüfung zu bestehen, ist es sinnvoll – aber nicht zwingend vorgeschrieben – eine Ausbildung zum Heilpraktiker für Psychotherapie zu machen. Diese findet meist an privaten Ausbildungsinstituten statt und dauert in der Regel ein bis zwei Jahre.

Voraussetzungen für
Heilpraktiker

Im Gegensatz zu den Ausbildungen für psychologische und ärztliche Psychotherapeuten sind sowohl die Inhalte der Heilpraktikerausbildung als auch die Prüfungsinhalte nicht gesetzlich festgelegt. Die Qualität der Ausbildung und die Anforderungen der Prüfung können also – zum Teil erheblich – variieren. Um im Anschluss an die Prüfung den Beruf des Heilpraktikers auszuüben, sind weiterhin ein Hauptschulabschluss, ein Mindestalter von 25 Jahren, ein ärztliches Attest und ein polizeiliches Führungszeugnis notwendig.

Wichtig ist, dass für jeden Heilpraktiker die Prinzipien der Therapiefreiheit und der Sorgfaltspflicht gelten. Das bedeutet, dass ein Heilpraktiker zwar frei wählen kann, welche Verfahren er anwenden möchte – dies dürfen jedoch nur Verfahren sein, die er auch fundiert beherrscht. Zugleich muss jeder Heilpraktiker seine therapeutischen Grenzen kennen. So muss er zum Beispiel einen Patienten, den er selbst nicht ausreichend gut behandeln kann, an einen anderen Behandler (z. B. einen Arzt oder Psychologischen Psychotherapeuten) weiter verweisen.

3. Heilpraktiker (ohne Beschränkung auf Psychotherapie)

Hier gelten die gleichen Regelungen, wie bei den Heilpraktikern für Psychotherapie. Da Ihre Heilerlaubnis nicht eingeschränkt ist, dürfen sie psychotherapeutisch tätig werden. Sie sind jedoch in der Regel besser für die Behandlung körperlicher Erkrankungen ausgebildet und bieten daher seltener Psychotherapie an.

Tipp: Qualifikation genau ansehen

Wenn Sie eine Behandlung bei einem Therapeuten mit Heilkundeerlaubnis nach HPG beginnen möchten, sollten Sie sich zunächst über seine Qualifikationen genau informieren. In dieser Gruppe gibt es sehr grosse Unterschiede im Umfang und in der Qualität der Ausbildung. Am einen Ende des Spektrums gibt es Personen, die gerade einmal die Prüfung am Gesundheitsamt bestanden haben, ohne eine Therapieausbildung gemacht zu haben und ohne Berufserfahrung, am anderen Ende hingegen Personen, die zuerst in einem Universitätsstudium und später oft in mehreren umfangreichen Therapieausbildungen viel theoretisches und praktisches Wissen erworben haben und über eine grosse Berufs- und Lebenserfahrung verfügen.

Therapeuten mit Heilkundeerlaubnis nach HPG bieten meist Verfahren an, in denen sie eine entsprechende Zusatzqualifikation erworben haben. Solche Zusatzbezeichnungen werden oft auf dem Praxisschild oder in Einträgen im Branchenverzeichnis angegeben. Allerdings sind diese Zusatzbezeichnungen nicht gesetzlich geschützt, so dass sie allein wenig über den Umfang und die Inhalte einer Weiterbildung aussagen.

Diese und weitere Fragen können Sie vor einer Therapie und in den ersten Sitzungen mit Ihrem Therapeuten klären (siehe auch die Checkliste: Fragen für das Erstgespräch).