Erstzugänge zur Psychotherapie

Telefonische Erreichbarkeit, Terminservicestellen und Psychotherapeutische Sprechstunde

Die neuen Regelungen und hier vorgestellten Maßnahmen sollen vorallem dafür sorgen, monatelange Wartezeiten auf einen Therapieplatz zu verkürzen und Hilfesuchenden eine schnelle erste Auskunft und Hilfestellung zu geben.

Dabei können Hilfesuchende weiterhin auf den gleichen Wegen wie bisher einen Psychotherapeuten suchen – zum Beispiel, indem sie in den "Gelben Seiten" oder in Therapeuten-Suchportalen wie therapie.de nach  Psychotherapeuten suchen und diese direkt selbst  kontaktieren.

Alternativ können sich Hilfesuchende von vorherein an dieTermin-Servicestellen der Kassenärztlichen Vereinigungen wenden. Diese können dabei helfen, zeitnah einen Termin für eine psychotherapeutische Sprechstunde zu vermitteln.

Vorsicht bei der Therapeutensuche im Rahmen der Kostenerstattung

Auch wenn gesetzlich Versicherte eine Psychotherapie im Rahmen der Kostenerstattung durchführen müssen, steht ihnen der direkte Weg zum Erstkontakt mit den Psychotherapeuten gemäß SGB nach wie vor grundsätzlich offen.

Tipp: Fragen Sie vorab Ihre gesetzliche Krankenkasse nach dem bei der Psychotherapeutensuche im Rahmen der Kostenerstattung "gewünschten" Vorgehen, um nachträglich eine "unliebsame" Überraschung , d.h. eine Ablehnung des Antrages auf Kostenübernahme, zu vermeiden.

Denn mittlerweile verweist eine zunehmende Zahl von Krankenkassen für den erforderlichen "Nachweis des Systemversagens", also das Sammeln der Absagen von niedergelassenen psychologischen Psychotherapeuten mit Kassensitz auf die Terminservicestellen der kassenärztlichen Vereinigungen.

Direkte telefonische Erreichbarkeit

Psychotherapeutische Praxen müssen seit April 2017 sicherstellen, dass sie selbst oder ein Praxismitarbeiter für die Patienten zur Terminabsprache ausreichend telefonisch erreichbar sind. So müssen Psychotherapeuten mit vollem Versorgungsauftrag 200 Minuten pro Woche, Therapeuten mit halbem Versorgungsauftrag 100 Minuten telefonisch erreichbar sein. 

Was ist für Psychotherapeuten wichtig?

Die Therapeuten müssen ihre Zeiten telefonischer Erreichbarkeit der zuständigen Kassenärztlichen Vereinigung mitteilen.

Termin-Servicestellen

Seit Anfang 2016 gibt es die so genannten Termin-Servicestellen der Kassenärztlichen Vereinigungen. Sie starteten zunächst mit der Aufgabe, Patienten mit ärztlicher Überweisung innerhalb von vier Wochen einen Termin bei einem Facharzt vermitteln. 

Seit dem 1. April 2017 sind sie auch dazu verpflichtet, innerhalb von vier Wochen einen Termin für ein erstes Gespräch in der psychotherapeutischen Sprechstunde zu vermitteln. In diesem Fall ist keine Überweisung notwendig. Kann die Termin-Servicestelle innerhalb von vier Wochen keinen Termin vermitteln, muss sie dem Hilfesuchenden innerhalb einer weiteren Woche einen ambulanten Termin in einem Krankenhaus anbieten.

Darüber hinaus müssen die Termin-Servicestellen weitere, zeitnah notwendige Behandlungstermine vermitteln, die sich aus dem Erstgespräch ergeben. Sie vermitteln auch Termine für eine Akutbehandlung aber nur dann, wenn der Therapeut diese in der psychotherapeitischen Sorechstunde empfohlen hat. 

Beginnend ab Oktober 2018 sollen sie auch Termine für zeitnah notwendige probatorische Sitzungen für eine Kurz- oder Langzeittherapie vermitteln.

Psychotherapeutische Sprechstunden

Seit April 2017 müssen Psychotherapeuten psychotherapeutische Sprechstunden anbieten. Sie sollen einen schnelleren Zugang zur ambulanten psychotherapeutischen Versorgung ermöglichen.

Die psychotherapeutische Sprechstunde ist seit dem 1. April 2018 für gesetzlich Versicherte der verbindliche Erstzugang zu einer Psychotherapie. Seitdem ist die Teilnahme an mindestens 2x25 Minuten psychotherapeutischer Sprechstunde Bedingung, um eine andere psychotherapeutische Behandlung (Akutbehandlung, Kurz- oder Langzeittherapie) beginnen zu können.

Nur wenn Patienten nach einer psychischen Erkrankung aus einer stationären Behandlung im Krankenhaus oder einer Rehabilitations-Behandlung entlassen werden, können sie auch in Zukunft eine Akutbehandlung oder eine Kurz- oder Langzeittherapie ohne vorherige psychotherapeutische Sprechstunde beginnen.

Zweck der Sprechstunde ist es, den konkreten Behandlungsbedarf der Hilfesuchenden zu klären. Hier kann aber bereits auch eine kurze psychotherapeutische Intervention durchgeführt werden.

So geht es nach den Sprechstunden weiter

Im Anschluss an mindestens zwei und maximal sechs psychotherapeutische Sprechstunden (zu je 25 Minuten) können sich – je nach Bedarf und nach Empfehlung des Psychotherapeuten – eine Akutbehandlung oder probatorische Sitzungen für eine Kurz- oder Langzeittherapie anschließen.