Wertvolle Tipps für die erfolgreiche Therapieplatzsuche (Seite 2/4)

Erfolg versprechende Suchwege

Hier haben Betroffene ihren Psychotherapeuten gefunden

Die bevölkerungsrepräsentative Online-Befragung von Pro Psychotherapie e.V. zur Zufriedenheit mit der Psychotherapeutischen Versorgung in Deutschland aus dem September 2011 ergab: Fast 70% der Befragten, die eine Psychotherapie gemacht haben, haben den geeigneten Therapeuten auf persönliche Empfehlungen hin gefunden.

Insbesondere im ländlichen Raum ist mit 47% der Hausarzt die wichtigste Anlaufstelle bei der Suche nach einem Psychotherapeuten. In der Großstadt hingegen finden lediglich 19% der Suchenden einen Therapeuten über den Hausarzt, aber 42% durch Freunde, Bekannte und Verwandte.

Das Internet gewinnt als Erfolg versprechender Suchweg an Bedeutung. 2011 fanden bereits 16 Prozent aller Befragten einen geeigneten Therapeuten über das Internet. Das bedeutet gegenüber 2008 fast eine Verdoppelung.

Gesucht nach einem geeigneten Psychotherapeuten wurde vor allem über den Hausarzt (59%), das Telefonbuch (59%), das Internet (46%) und Gespräche mit Freunden, Verwandten, Bekannten (39%).

Hilfestellung bei der Psychotherapeutensuche erforderlich

Die Ergebnisse zeigen erneut einen deutlichen Handlungsbedarf auf Seiten des Gesundheitssystems: Ein Drittel der Suchenden hat erst gar keinen geeigneten Therapieplatz gefunden.

Vor allem für Personen, die noch keine Erfahrung mit einer Psychotherapie gemacht haben, stellen sich vor oder auch bei der Suche nach einem geeigneten Therapeuten viele Fragen.

Zwei Drittel der Befragten, die bereits einmal einen Psychotherapeuten gesucht haben, fanden die Suche nach einem geeigneten Therapeuten "schwer" bis "sehr schwer". Sogar in der Gruppe derer, die tatsächlich einen Therapeuten gefunden haben, fand die Hälfte die Suche zumindest "eher schwer".

Gründe für die Schwierigkeiten bei der Suche waren insbesondere, dass zu den Therapeuten kein Vertrauen aufgebaut werden konnte und es insgesamt zu wenige Therapeuten gibt bzw. die Wartezeiten bis zum Beginn einer Therapie zu lange sind. Weitere Nennungen waren ein als undurchsichtig empfundenes Angebot und mangelnde Informationen insgesamt sowie der Eindruck, dass die aufgesuchte Therapeuten nicht kompetent oder hilfreich erschienen.

Exkurs: Studie Psychotherapie 2011 - Ergebnisse zur Therapeutensuche

Ein gutes Drittel der Umfrageteilnehmer 2011 hatte bis zum Zeitpunkt der Befragung schon mindestens einmal nach einem Therapeuten gesucht (2008: 38 Prozent).

Die in 2011 befragten Hilfesuchenden waren etwas erfolgreicher in ihren Bemühungen um einen Therapieplatz als die Teilnehmer der Umfrage im Jahr 2008. So hatten 2011 bereits fast drei von vier Suchenden tatsächlich einen Psychotherapeuten gefunden – gegenüber „nur“ zwei von drei Personen in 2008.

Insgesamt hatten sich 2011 immerhin 28 Prozent der Hilfesuchenden bis zum Zeitpunkt der Umfrage vergeblich nach einem geeigneten Psychotherapeuten umgesehen, wobei 17 Prozent angaben, noch aktiv auf der Suche zu sein. Gut jeder Zehnte hatte die Suche aber bereits ohne Erfolg wieder aufgegeben. 

Wege der Psychotherapeutensuche und empfundene Suchkomplexität

Die am meisten Erfolg versprechende Anlaufstelle bei der Suche nach einem Psychotherapeuten waren 2011 Freunde, Bekannte und Verwandte. Über diese persönliche Empfehlungen fanden 43 Prozent aller Befragten einen Psychotherapeuten (2008: 32 Prozent). Bei Frauen (57 Prozent), im ländlichen Raum (59 Prozent) und bei den 40-49 Jährigen (53 Prozent) führte die persönliche Empfehlung mehrheitlich zu einem Therapieplatz. Obwohl persönliche Empfehlungen insgesamt am häufigsten zum Sucherfolg führten, wird dieser Suchweg mit als am kompliziertesten wahrgenommen.

Bei knapp einem Viertel der Befragten mit Sucherfolg wiesen Konsultationen beim Hausarzt den Weg zum passenden Therapeuten. Das bedeutet einen deutlichen Rückgang gegenüber 2008. In der ersten Untersuchungswelle sagten noch 34 Prozent der Hilfesuchenden, dass sie einen geeigneten Psychotherapeuten mit Hilfe des Hausarztes ausfindig gemacht hätten.

In 2011 spielte der Hausarzt im Rahmen der Therapeutensuche nur bei den Über-60-Jährigen mit 45 Prozent eine übergeordnete Rolle. Auch wenn die Einbeziehung des Hausarztes etwas aus der Mode gekommen zu sein scheint, bleibt sie empfehlenswert: diese Suchen führen am häufigsten schnell zum Erfolg (62 Prozent mit Suchdauer bis vier Wochen) und werden im Schnitt als vergleichsweise am einfachsten bewertet.

Das Internet gewinnt als Erfolg versprechender Suchweg an Bedeutung. 2011 fanden bereits 16 Prozent aller Befragten einen geeigneten Therapeuten über das Internet. Das bedeutet gegenüber 2008 fast eine Verdoppelung. Insbesondere die jüngste Gruppe der Befragten bis 29 Jahre (39 Prozent) und Männer (24 Prozent) konnte das WWW erfolgreich zur Therapeutensuche nutzen.

Bei der Gruppe derer, die tatsächlich einen Therapeuten gefunden hatten, fanden immerhin 56 Prozent die Suche kompliziert. Die insgesamt empfundene Schwierigkeit liegt bei erfolglosen Suchen bei 88 Prozent und damit auf einem deutlich höheren Niveau.

Konkrete Hürden: Gründe für die Schwierigkeiten bei der Therapeutensuche

Der Hauptgrund für die Schwierigkeiten bei der Suche ist unabhängig davon, ob die Suche letztlich erfolgreich war oder nicht, dass es insgesamt zu wenige Therapeuten und somit Therapieplätze gibt. Diese Problematik hat seit 2008 auch bei den letztlich erfolgreich Suchenden von 39 Prozent auf 50 Prozent (erfolglose Sucher: 42 Prozent auf 56 Prozent) noch einmal an Bedeutung gewonnen. Damit einher gehen direkt als zu lange empfundene Wartezeiten.

Insgesamt 34 Prozent stolperten 2011 im Rahmen der Suche über Persönlichkeit und Kompetenz des gefundenen und aufgesuchten Therapeuten. Dieser wurde oft als nicht kompetent und nicht hilfreich wahrgenommen oder es konnte kein Vertrauensverhältnis zu ihm aufgebaut werden. Diese Problematik hat seit 2008 aber etwas an Bedeutung verloren. In der ersten Untersuchung nannten noch 45 Prozent Schwierigkeiten mit der Person des Therapeuten als Grund für das Scheitern der Suchbemühungen. 

Für viele Suchende besteht nach wie die Schwierigkeit, sich in dem aufgrund von fehlenden oder für Laien häufig unverständlichen Informationen als kompliziert und undurchsichtig wahrgenommenen Psychotherapieangebot zurechtzufinden und ein für sich passendes Angebot herauszufiltern.

Frauen suchen erfolgreicher als Männer nach Psychotherapeuten

Frauen und Männer suchen unterschiedlich oft, auf anderen Wegen und auch unterschiedlich erfolgreich nach Psychotherapeuten. 40 Prozent der Frauen hatten 2011 nach einem Therapeuten gesucht, gegenüber 29 Prozent bei den Männern. 30 Prozent der Frauen war bei ihren Bemühungen erfolgreich, aber nur 19 Prozent der Männer. Zu 79 Prozent haben Frauen den Therapeuten mittels persönlicher Empfehlung oder über den Hausarzt gefunden, 11 Prozent im Internet. Männer hingegen fanden nur zu 56 Prozent einen Therapeuten im persönlichen Umfeld inkl. Hausarzt. 41 Prozent waren per Internet und Telefon erfolgreich. Frauen tun sich mit der Therapeutensuche etwas leichter als Männer: 62 Prozent der Frauen finden die Suche nach einem Therapeuten mindestens schwer. Bei den Männern sind es bereits 69 Prozent.

Dauer der Suche

Im Durchschnitt benötigten die Suchenden rund 14 Wochen, bis sie bei einem geeigneten Therapeuten einen Therapieplatz gefunden hatten. 53 Prozent der Suchenden, die zum Zeitpunkt der Untersuchung einen Therapeuten bereits gefunden hatten, benötigten weniger als vier Wochen für die Suche.

Mit 58 Prozent der Befragten, die einen Therapeuten binnen vier Wochen gefunden haben, ist das Internet der zweitschnellste Suchweg. Trotz schneller Erfolge bei der Suche nach Therapeuten über das Internet und obwohl kein Befragter die Suche über das Internet als „sehr schwer“ einschätzt, wird dieser Suchweg von allen erfolgreich Suchenden im Durchschnitt als am schwierigsten bewertet.

Lediglich 7 Prozent haben länger als ein Jahr nach einem geeigneten Therapeuten gesucht. Im Schnitt dauerten die vergeblichen Suchen rund 10 Monate. Ein knappes Drittel hatte sogar länger als zwölf Monate vergeblich nach einem Therapeuten gesucht.

Menschen ohne Sucherfahrung unterschätzen die Suchdauer mit durchschnittlich acht Wochen klar. 27 Prozent glaubten, sie bräuchten nur bis zu einer Woche. Andererseits gibt es bei den Befragten ohne Erfahrung in Therapeutensuche mit 27 Prozent auch eine relativ große Gruppe, die die Suchdauer mit einer angenommenen Dauer mit mindestens einem Jahr deutlich überschätzt. Fragten die Hilfesuchenden in ihrem Bekanntenkreis, hatten 55 Prozent innerhalb von einem Monat einen Therapeuten gefunden.