Neue Psychotherapie-Richtlinie 2017 (Seite 4/5)

Was ändert sich in der Psychotherapie für Kinder und Jugendliche?

Die oben beschriebenen Änderungen gelten auch für die Psychotherapie mit Kindern und Jugendlichen. Bei einigen Aspekten weichen die Regelungen jedoch leicht ab und es gibt einige zusätzliche Neuerungen. Diese werden im Folgenden beschrieben:

Einbeziehung des sozialen Umfelds

Bei Kindern und Jugendlichen können in Zukunft „relevante Bezugspersonen aus dem sozialen Umfeld“ in die Therapie einbezogen werden. Das bedeutet, dass zum ersten Mal auch andere Personen als die Eltern oder der Partner an der Therapie teilnehmen können – zum Beispiel Lehrer oder Erzieher. Die Bezugspersonen können bereits in der Sprechstunde und in den probatorischen Sitzungen einbezogen werden.

Altersgrenze

In den Neuregelungen wurde festgelegt, dass alle Personen, die noch nicht 14 Jahre alt sind, als Kinder, und alle Personen zwischen 14 und 21 Jahren als Jugendliche gelten. Weiterhin gilt nun, dass eine bereits angefangene Kinder- und Jugendpsychotherapie auch nach dem 21. Lebensjahr noch abgeschlossen werden kann, wenn dies für den Therapieerfolg sinnvoll ist. Patienten ab 18 Jahren können wie bisher wählen, ob sie eine Kinder- und Jugendpsychotherapie oder eine Erwachsenen-Psychotherapie in Anspruch nehmen wollen.

Abweichende Stundenzahl bei der psychotherapeutischen Sprechstunde

Bei Kindern und Jugendlichen kann die Sprechstunde insgesamt zehn Mal (à 25 Minuten) durchgeführt werden. Bis zu vier Sprechstunden-Termine können auch von den Bezugspersonen ohne das Kind oder den Jugendlichen wahrgenommen werden. 

Abweichende Stundenzahl bei den probatorische Sitzungen

In der Therapie von Kindern und Jugendlichen sind nun zwei bis sechs probatorische Sitzungen möglich. Die probatorischen Sitzungen können mit dem Kind bzw. Jugendlichen und seinen Eltern oder wichtigen Bezugspersonen durchgeführt werden. Sie können auch teilweise mit den Eltern alleine stattfinden. 

Abweichende Stundenzahl bei der Rückfall-Prophylaxe

Bei der Therapie mit Kindern und Jugendlichen können bei einer Behandlungsdauer von 40 bis 59 Stunden maximal 10 Stunden, bei einer Behandlungsdauer von 60 oder mehr Stunden maximal 20 Stunden für die Rückfall-Prophylaxe genutzt werden. 

Stundenzahlen in der Langzeittherapie

Die folgende Tabelle gibt eine Übersicht, welche Stundenzahlen ab dem 1. April 2017 in der Langzeittherapie mit Kindern und Jugendlichen möglich sind:

 

Verhaltenstherapietiefenpsychologisch
fundierte
Psychotherapie
analytische
Psychotherapie
Kinder
bei Erstantrag60 h70 h (60 h bei Gruppentherapie)70 h (60 h bei Gruppentherapie)
erste Therapie-Verlängerung80 h150 h (90 h bei Gruppentherapie)150 h (90 h bei Gruppentherapie)
Jugendliche
bei Erstantrag60 h 90 h (60 h bei Gruppentherapie)90 h (60 h bei Gruppentherapie)
erste Therapie-Verlängerung80 h180 h (90 h bei Gruppentherapie) 180 h (90 h bei Gruppentherapie)