Impulskontrollstörungen (Seite 2/10)

Ursachen und Verlauf von Impulskontrollstörungen

Über die Ursachen von Impulskontrollstörungen gibt es bisher relativ wenige Untersuchungen, die zu uneinheitlichen Ergebnissen gekommen sind. Deshalb ist über die Ursachen bisher noch wenig bekannt. Experten leiten Vermutungen über mögliche Ursachen auch aus den Ergebnissen zu anderen, ähnlichen psychischen Erkrankungen ab – insbesondere zu Zwangsstörungen, Suchterkrankungen und der Parkinson-Erkrankung.

Wie entstehen Störungen der Impulskontrolle?

Man nimmt an, dass bei der Entstehung und Aufrechterhaltung von Impulskontrollstörungen biologische, psychische und soziale Faktoren eine Rolle spielen. Zwischen ihnen kann es vielfältige Wechselwirkungen geben.

Biologische Faktoren

Bei den biologischen Faktoren könnten genetische Aspekte, physiologische und anatomische Besonderheiten im Gehirn eine Rolle spielen.

Es wird angenommen, dass Menschen mit Störungen der Impulskontrolle genetische Merkmale haben, die zu einer Störung von Botenstoffen (Neurotransmittern) im Gehirn führen. Weiterhin könnten sie anatomische Besonderheiten in den so genannten frontostriatalen Schleifensystemen des Gehirns haben. Diese umfassen das Stirnhirn (frontaler Cortex) und die Basalganglien und spielen bei der kognitiven, also gedanklichen Planung und Steuerung, aber auch bei der emotionalen und motivationalen Kontrolle von Verhalten und bei der Steuerung von Bewegungen eine Rolle.

Weiterhin vermuten Experten, dass bei Menschen mit Impulskontrollstörungen Veränderungen in den Botenstoff-Systemen des Gehirns vorliegen könnten. Diese regulieren die Aktivität der frontostriatalen Schleifensysteme und könnten deshalb bei der Entstehung und Aufrechterhaltung von Impulskontrollstörungen von Bedeutung sein. Veränderungen werden vor allem bei den Neurotransmittern Serotonin und Dopamin und möglicherweise auch bei Noradrenalin und endogenen Opioiden vermutet.

So ähneln die Symptome von Impulskontrollstörungen zum Teil denen von Zwangsstörungen, bei denen eine Störung des Botenstoffs Serotonin vermutet wird. Außerdem treten bei Menschen mit einer Parkinson-Erkrankung häufig Störungen der Impulskontrolle auf, die mit einem Mangel des Botenstoffs Dopamin im Gehirn zusammenhängen. Dopamin spielt auch bei Suchterkrankungen eine wichtige Rolle – bei denen zum Teil ähnliche Symptome auftreten wie bei Impulskontrollstörungen.

Psychische und soziale Faktoren

Stress und emotionale Belastungen könnten dazu beitragen, dass eine Impulskontrollstörung entsteht und dass die Symptome aufrechterhalten werden. Vor allem traumatische Erfahrungen oder fehlende Nähe, Liebe und Zuwendung in der Kindheit und Jugend sind starke Belastungen, die zur Entstehung von Impulskontrollstörungen beitragen könnten. Negative Gefühle wie Niedergeschlagenheit, Angst, Einsamkeit oder Ärger könnten dazu führen, dass die Impulse auftreten oder stärker werden.

Aus tiefenpsychologischer Sicht könnten Entwicklungsstörungen in der frühen Kindheit, etwa in der ödipalen Phase, bei der Entstehung von Impulskontrollstörungen eine Rolle spielen. Weiterhin könnte das impulsive Verhalten eine Ersatzbefriedigung für unterdrückte Triebe und Wünsche oder der Ausdruck verdrängter Aggressionen sein.

Da Menschen mit Impulskontrollstörungen häufig auch andere psychische Erkrankungen haben, könnten die Symptome dieser Erkrankungen Auslöser für die Impulse sein. Zum Beispiel könnte die niedergeschlagene Stimmung bei einer Depression die Impulse und impulsiven Handlungen auslösen. Diese könnten dazu beitragen, statt der negativen Gefühlen kurzzeitig andere, positivere Gefühle zu erleben.

Beginn und Verlauf von Impulskontrollstörungen

Impulskontrollstörungen beginnen meist schon in der Kindheit und Jugend. Eine Ausnahme ist die zwanghafte sexuelle Verhaltensstörung: Hier ist unklar, wann sie beginnt. In den meisten Fällen bestehen Impulskontrollstörungen chronisch, bestehen also über längere Zeit. Bei manchen Menschen tritt das impulsive Verhalten nur phasenweise auf, wobei zwischen den Phasen längere Zeiträume ohne Symptome liegen können.

Wie häufig sind Störungen der Impulskontrolle?

Die verschiedenen Impulskontrollstörungen sind unterschiedlich häufig und auch der Anteil von Männern und Frauen ist je nach Störung unterschiedlich. Frauen sind häufiger als Männer von Störungen betroffen, die zwanghaften Merkmale haben, wie das pathologische Stehlen. Bei Männern kommen Störungen, die impulsiv-aggressive Merkmale haben, häufiger vor als bei Frauen, etwa die intermittierende explosible Störung und die Pyromanie.

Welche anderen Erkrankungen treten häufig gleichzeitig auf?

Menschen mit einer Impulskontrollstörung haben häufig weitere psychische Erkrankungen. Dazu gehören affektive Störungen wie Depressionen und bipolare Störungen, Angststörungen, eine Aufmerksamkeits-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS), eine Substanzgebrauchs-Störung – also ein Missbrauch oder eine Abhängigkeit von Alkohol, Drogen oder Medikamenten –, Zwangsstörungen und Persönlichkeitsstörungen. Am häufigen sind dabei Borderline-Persönlichkeitsstörungen, eine paranoide und eine schizoide Persönlichkeitsstörung. Außerdem kann jemand, der an einer Impulskontrollstörung leidet, gleichzeitig weitere Störungen der Impulskontrolle haben.

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