Impulskontrollstörungen (Seite 9/10)
Psychotherapie und Medikamente
Therapieansätze für die einzelnen Erkrankungen
Psychotherapeutische Ansätze
Pyromanie
Bei der Therapie der Pyromanie werden häufig Methoden der kognitiven Verhaltenstherapie, Programme zur Psychoedukation und die graphische Interviewtechnik eingesetzt, mit denen gewisse Erfolge erzielt wurden. Bei der graphischen Interviewtechnik sollen die Klient:innen ihre Vorstellungen zeichnen. Die Zeichnungen können besprochen und daraus Gefühle und Motive der Klient:innen abgeleitet werden, die dann in der Therapie bearbeitet werden können.
Kleptomanie
Hier wurden mit der systematischen Desensibilisierung, mit Konditionierungs- und mit Aversionstechniken in einzelnen Fällen Erfolge erzielt. Bei Aversionstechniken wird das unerwünsche, impulsive Verhalten mit einem negativen Reiz kombiniert, um zu erreichen, dass das problematische Verhalten seltener auftritt.
Intermittierende explosible Störung
Hier hat die kognitive Verhaltenstherapie eine gewisse Wirksameit gezeigt. Darin lernen die Klient*innen, zum Beispiel mithilfe eines Symptomtagebuchs Gefühle zu erkennen, die zu den aggressiven Ausbrüchen führen. Im Anschluss können sie lernen, rechzeitig mit alternativen Gedanken und Verhaltensweisen gegenzusteuern, um einem aggressiven Ausbruch zu vermeiden. Weiterhin kann ein Anti-Aggressivitäts-Training hilfreich sein, bei dem die Betroffenen in einer Gruppe theoretische, praktische und körperliche Übungen durchführen, um aggressives Verhalten in Zukunft zu vermeiden.
Die Psychotherapie wird in manchen Fällen mit Medikamenten, insbesondere mit selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI) kombiniert.
Zwanghafte sexuelle Verhaltensstörung
Die Therapieansätze zur zwanghaften sexuellen Verhaltensstörung werden häufig aus der Behandlung von Suchterkrankungen und Paraphilien – Störungen, bei denen die Betroffenen durch untypische Reize sexuell erregt werden – abgeleitet. Meist werden kognitiv-verhaltenstherapeutische Ansätze, etwa die emotionsfokussierte Therapie eingesetzt.
Die Psychotherapie wird häufig mit Medikamenten kombiniert, insbesondere mit SSRI und Stimmungsstabilisierern.
Behandlung mit Medikamenten
In Studien zur Behandlung von pathologischem Stehlen, intermittierender explosibler Störung und zwanghafter sexueller Verhaltensstörung wurden selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI), insbesondere Paroxetin, das trizyklische Antidepressivum Clomipramin, Stimmungsstabilisierer (Antikonvulsiva), Antipsychotika und Opioid-Antagonisten, vor allem der lang wirksame Opioid-Antagonist Naltrexon eingesetzt. Dieser kommt auch in der Therapie von Alkohol- oder Medikamentenabhängigkeit zur Anwendung.
Insgesamt wurden bei der Behandlung mit diesen Medikamenten eher keine überzeugenden Erfolge erzielt. Medikamente sollten deshalb aus Sicht von Experten eher bei psychischen Erkrankungen verordnet werden, die gleichzeitig mit einer Impulskontrollstörung auftreten können, etwa einer Depression oder einer Zwangsstörung.
Pyromanie
Bei der Pyromanie wurde die Wirksamkeit von Medikamenten nur in wenigen Einzelfallstudien untersucht. Ihre Wirksamkeit ist nicht eindeutig belegt.
Kleptomanie
Bei pathologischem Stehlen wurde eine gewisse Wirksamkeit des lang wirksamen Opiod-Antagonist Naltrexon beobachtet. Weiterhin wurden in kleinen Studien SSRI eingesetzt. Hier konnte die Wirksamkeit nicht eindeutig nachgewiesen werden.
Intermittierende explosible Störung und zwanghafte sexuelle Verhaltensstörung
Hier haben SSRI wie Fluoxetin eine gewisse Wirksamkeit gezeigt und gelten als Medikamente der ersten Wahl. Weiterhin können Stimmungsstabilisierer wie Valproat, Phenytoin oder Carbamazepin eingesetzt werden. Die Wirksamkeit der verschiedenen Medikamente bei diesen Störungen ist jedoch nicht gut belegt. Bei der zwanghaften sexuellen Verhaltensstörung wurden auch Antiandrogene verordnet, dabei waren die Erfolge aber gering.