Impulskontrollstörungen (Seite 4/10)

Pyromanie

Pathologische Brandstiftung

Definition nach ICD-11

Menschen mit einer Pyromanie haben starke Impulse, Feuer zu legen und schaffen es wiederholt nicht, diese Impulse zu kontrollieren. Dadurch setzen sie immer wieder Gebäude oder andere Dinge in Brand oder versuchen das zumindest. Dabei gibt es kein offensichtliches Motiv – wie etwa finanzieller Gewinn, Rache, Sabotage oder ein politisches Motiv. Es geht ihnen auch nicht darum, Anerkennung zu bekommen oder Aufmerksamkeit zu erregen.

Vor der Tat empfinden die Betroffenen ein zunehmendes Gefühl von innerer Spannung oder emotionaler Erregung. Während und unmittelbar nach dem Feuerlegen und auch, während sie bei den Auswirkungen des Feuers zuschauen, erleben sie Gefühle von Freude, Erregung, Befriedigung oder Erleichterung. Es kann auch sein, dass sie sich an Aktivitäten, die dem Feuer folgen, etwa bei Löscharbeiten, beteiligen und dabei ähnliche Gefühle erleben.

Weiterhin haben diese Menschen eine anhaltende Faszination für Feuer und / oder ein ausgeprägtes Interesse an Feuer und beschäftigen sich übermäßig mit Feuer, Bränden und Dingen, die mit Feuer zu tun haben. Das kann das Beobachten von Feuer und Bränden sein, aber auch eine Begeisterung für die Ausrüstung der Feuerwehr und das Löschen von Bränden. Charakteristisch ist auch, dass die Betroffenen emotional gleichgültig gegenüber Schäden sind, die sie anderen Menschen zugefügt oder an Sachen verursacht haben.

Die Impulse und das Verhalten lassen sich dabei nicht besser durch eine andere psychische Erkrankung oder Verhaltensstörung, eine intellektuelle Beeinträchtigung oder den Einfluss von Alkohol oder Drogen erklären.

Brandstiftung kommt im Kindes- und Jugendalter nicht selten vor – die meisten Kinder und Jugendlichen haben aber andere Motive für die Brandstiftung. Einige haben eine andere psychische Erkrankung, aber keine Pyromanie. Daher muss im Einzelfall genau geprüft werden, ob tatsächlich eine Pyromanie vorliegt.

Wie entsteht die Erkrankung?

Da es zur Pyromanie kaum wissenschaftliche Untersuchungen gibt, weiß man bisher wenig über ihre Ursachen. Deshalb ist unklar, ob bei der Erkrankung Botenstoff-Systeme im Gehirn gestört sind und welche dies sein könnten. Neben psychischen und sozialen Faktoren, die bei Impulskontrollstörungen eine Rolle spielen, könnte bei der Pyromanie auch der Nervenkitzel, etwas Verbotenes zu tun, von Bedeutung sein.

Häufigkeit, Beginn und Verlauf

Eine Pyromanie ist eine sehr seltene Erkrankung. Genaue Angaben zur Häufigkeit gibt es daher nicht. Nach vorsichtigen Schätzungen liegt die Häufigkeit bei unter 0,1 Prozent der Bevölkerung.

Auch dazu, wann die Störung beginnt und wie sie verläuft, gibt es kaum Untersuchungen. Es wird angenommen, dass sie meist in der Kindheit oder Jugend beginnt. Die Symptome treten dabei meist phasenweise auf, dazwischen können längere Zeiträume ohne Symptome liegen. Männer sind deutlich häufiger von einer Pyromanie betroffen bei Frauen, nach Schätzungen etwa acht Mal häufiger.

Welche anderen Erkrankungen treten häufig gleichzeitig auf?

Menschen mit einer Pyromanie haben häufig weitere psychische Erkrankungen. Am häufigsten sind ein Missbrauch oder eine Abhängigkeit von Alkohol, Drogen oder Medikamenten, eine Glücksspiel-Störung, eine dissoziale Persönlichkeitsstörung und eine bipolare Störung.
Viele Betroffene haben Lernschwierigkeiten, Störungen des Sozialverhaltens, Sprachprobleme oder eine ADHS. Häufig werden auch eine verminderte Intelligenz, neurologische Störungen oder körperliche Einschränkungen beobachtet.

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