Impulskontrollstörungen (Seite 5/10)

Pathologisches Stehlen

Definition Kleptomanie nach ICD-11

Wer von einer Kleptomanie betroffen ist, hat starke Impulse, Gegenstände zu stehlen und kann diese Impulse wiederholt nicht kontrollieren oder ihnen nicht widerstehen. Es gibt dabei kein offensichtliches Motiv: Die Gegenstände werden nicht gestohlen, weil die Person sie braucht oder sich bereichern möchte. Oft werden die gestohlenen Gegenstände nicht benutzt, sondern gehortet, weggeworfen oder verschenkt.

Vor dem Diebstahl haben die Betroffenen ein zunehmendes Gefühl innerer Anspannung oder emotionaler Erregung. Während oder unmittelbar danach erleben sie Gefühle von Freude, Erregung, Erleichterung oder Befriedigung. Typisch für eine Kleptomanie ist auch, dass jemand die Diebstähle alleine begeht, sie im Vorfeld nicht genauer plant und keine Vorsichtsmaßnahmen trifft, um nicht entdeckt zu werden.

Die Impulse und das Verhalten lassen sich nicht besser durch eine andere psychische Erkrankung oder Verhaltensstörung, eine intellektuelle Beeinträchtigung oder durch den Einfluss von Alkohol oder Drogen erklären.

Häufigkeit, Beginn und Verlauf

Laut dem „Diagnostischen und statistischen Manual psychischer Störungen“ (DSM-5) leiden etwa 0,3 bis 0,6 Prozent der Menschen im Lauf ihres Lebens an einer Kleptomanie.
Die Störung beginnt meist im Jugendalter. Frauen sind etwa drei Mal häufiger betroffen als Männer. Der Verlauf kann individuell unterschiedlich sein: Bei manchen tritt das pathologische Stehlen chronisch ohne große Unterbrechungen auf, bei anderen nur phasenweise, mit längeren Zeiträumen ohne Symptome. Viele Betroffene stehlen trotz Verurteilungen wegen Ladendiebstahls weiter. Im Lauf der Zeit kann das Verlangen, zu stehlen stärker werden und bei dem Versuch, es zu unterdrücken, kann eine Art Entzugssymptome auftreten. Bei manchen Menschen legt sich das Verlangen zu stehlen mit zunehmendem Alter aber auch von selbst.

Welche anderen Erkrankungen treten häufig gleichzeitig auf?

Menschen mit einer Kleptomanie leiden ebenfalls häufig an weiteren psychischen Erkrankungen. Am häufigsten sind dies affektive Störungen, Zwangsstörungen, Angststörungen und Essstörungen. Weiterhin können sie gleichzeitig andere Impulskontrollstörungen, insbesondere eine intermittierende explosible Störung haben.

Wie entsteht die Erkrankung?

Einige Menschen mit Kleptomanie leiden auch an einer Zwangsstörung, und bei ihren nahen Verwandten wurden häufiger Zwangsstörungen beobachtet als in der Bevölkerung insgesamt. Deshalb nimmt man an, dass bei einer Kleptomanie eine Störung des Botenstoffs Serotonin im Gehirn vorliegen könnte. Experten vermuten, dass auch weitere Botenstoff-Systeme gestört sein könnten, etwa beim Botenstoff Dopamin.

Neben weiteren psychischen und sozialen Faktoren könnte beim pathologischen Stehlen der Nervenkitzel, etwas Verbotenes zu tun, eine Rolle spielen.