Impulskontrollstörungen (Seite 8/10)

Wie können Impuls­kontroll­störungen behandelt werden? 

Unterstützung suchen ist wichtig

Auch wenn Menschen mit Störungen der Impulskontrolle sich für ihre Symptome schämen, Schuldgefühle haben und ungern darüber sprechen möchten: Es ist wichtig, sich Hilfe zu suchen und die psychische Erkrankung behandeln zu lassen. Denn das kann dazu beitragen, einen Ausweg aus der Erkrankung zu finden, den hohen Leidensdruck zu verringern und weitere negative Folgen zu vermeiden: etwa in den Beziehungen zu anderen Menschen, im beruflichen Bereich oder bei strafrechtlichen Folgen. Weil Menschen mit Impulskontrollstörungen häufig weitere psychische Erkrankungen haben, ist es wichtig, dass diese ebenfalls erkannt und in einer Therapie mitbehandelt werden.

Wirksamkeit von Therapien

Weil Störungen der Impulskontrolle eher selten sind und viele Betroffene lange Zeit keine Unterstützung suchen, gibt es bisher nur wenige und eher kleine Studien, die die Wirksamkeit verschiedener Therapien bei Impulskontrollstörungen untersucht haben. Deshalb ist bisher wenig über die Wirksamkeit verschiedener Therapieansätze bekannt.

Bei der intermittierenden explosiblen Störung hat die kognitive Verhaltenstherapie eine gewisse Wirksameit gezeigt. Bei der Pyromanie und Kleptomanie gibt es nur wenige, kleine Studien, in denen die Wirksamkeit verschiedener Therapieansätze nicht eindeutig gezeigt werden konnte. Zur Wirksamkeit von Therapien bei der zwanghaften sexuellen Verhaltensstörung gibt es bisher keine Untersuchungen.

Fachleute verwenden deshalb häufig Therapien, die bei ähnlichen Störungen wirksam sind, insbesondere bei Störungen mit unerwünschtem impulsivem Verhalten – etwa pathologischem Haareausreißen (Trichotillomanie) oder Nägelkauen –, Zwangsstörungen und Suchterkrankungen. Bei diesen Erkrankungen hat sich vor allem die kognitive Verhaltenstherapie als wirksam erwiesen. Ansonsten werden verschiedene Therapiemethoden auch explorativ eingesetzt, also ausprobiert, was den Betroffenen am besten hilft.
Neben einer Psychotherapie können auch Medikamente zum Einsatz kommen. Beides wird teilweise auch miteinander kombiniert.

Psychotherapie

Bei einer Psychotherapie können Ansätze der kognitiven Verhaltenstherapie, der systemischen Familientherapie, der Gesprächstherapie, der tiefenpsychologisch-fundierten Therapie oder der Psychoanalyse zur Anwendung kommen. Am ehesten hat sich die kognitive Verhaltenstherapie als wirksam erwiesen.

Auch Ansätze der Psychoedukation können hilfreich sein. Dabei erhalten die Klient:innen Informationen über die Symptome ihrer Erkrankung. Sie erfahren, was zu ihrer Entstehung beiträgt und welche Strategien hilfreich sein können, um die Symptome in den Griff zu bekommen. Bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen, aber auch bei anderen Betroffenen kann es hilfreich sein, Familiengehörige oder andere nahe Bezugspersonen in die Therapie einzubeziehen.

Weil die unerwünschten Impulse besonders bei Stress oder negativen Gefühlen auftreten können, können Strategien zum besseren Umgang mit Stress, Strategien zur Regulierung von Gefühlen und Ansätze, um ein gesundes Selbstwertgefühl zu fördern – etwa ein Training sozialer Kompetenzen – sinnvoll sein.
Ergänzend können Entspannungsverfahren wie die progressive Muskelentspannung, achtsamkeitsbasierte Verfahren und anderen Methoden der Psychotherapie eingesetzt werden.

Kognitive Verhaltenstherapie

Bisher gibt es relativ wenige methodisch gute Studien, in denen die Wirksamkeit von Verhaltenstherapie bei Impulskontrollstörungen gezeigt werden konnte. In der Therapie werden im ersten Schritt die Hintergründe und Auslöser des impulsiven Verhaltens erarbeitet und bewusst gemacht. Dazu kann es hilfreich sein, wenn die Betroffenen ein Symptom- oder Emotionstagebuch führen. Im nächsten Schritt kann das dysfunktionale, impulsive Verhalten mit verhaltenstherapeutischen und kognitiven Techniken bearbeitet werden.

Ein Ansatz der Verhaltenstherapie, der sich bei Zwangsstörungen und Störungen mit impulsivem Verhalten als wirksam erwiesen hat, ist das Habit Reversal Training (HRT). Dabei lernen die Klient:innen, die Impulse rechtzeitig zu erkennen und stattdessen bewusst ein anderes, für sie günstigeres Verhalten einzusetzen. Das soll verhindern, dass die Impulse zu impulshaften Handlungen führen. So könnte jemand, der aggressive Impulse erlebt, langsam bis Zehn zählen oder ein paar Mal tief durchatmen, um einem aggressiven Ausbruch vorzubeugen. Das alternative Verhalten wird zunächst ganz bewusst durchgeführt. Mit der Zeit wird es zu einem Teil des gewohnten Verhaltens und wird dann eher automatisch ausgeführt.
Weiterhin können in der Therapie Konfrontationsübungen – die so genannte systematische Desensibilisierung – durchgeführt werden, bei denen die Klient:innen sich, begleitet von der Therapeutin oder dem Therapeuten, in entspanntem Zustand Situationen vorstellen oder Situationen aufsuchen, in denen die Impulse häufig auftreten. Dabei sollen sie die auftretende Anspannung und emotionale Erregung aushalten und so lange in der Vorstellung oder in der Situation bleiben, bis die Anspannung und die Impulse von selbst zurückgehen und dann nicht zu impulsivem Verhalten führen.

Außerdem können die Klient:innen Techniken lernen, um anders mit den Impulsen umzugehen und sie nicht in Handlungen umzusetzen. Dazu gehört, Gefühle bewusst zu regulieren, sich bewusst zu entspannen, sich abzulenken oder bewusst etwas anderes zu tun.
In einem Training zur Emotionregulation lernen die Betroffenen, Gefühle, die die ungewollten Impulse auslösen können, wie Niedergeschlagenheit, Einsamkeit oder Ärger rechtzeitig zu erkennen und anders mit ihnen umzugehen. In der Therapie wird auch daran gearbeitet, die Probleme, die zu diesen Gefühle führen, zu lösen oder konstruktiver zu bewältigen.

Tiefenpsychologische und psychoanalytische Ansätze

In tiefenpsychologischen und psychoanalytischen Behandlungsansätzen wird versucht, die Psychodynamik zu verstehen, durch die die problematischen Impulse entstanden sind. Das könnten etwa Erfahrungen in der frühen Kindheit oder im Lauf der Entwicklung sein. Im Lauf der Therapie wird versucht, die Psychodynamik so zu verändern, dass die Betroffenen die Impulse überwinden oder Fähigkeiten zur Kontrolle der Impulse (wieder-)erlangen.

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