Programm „Mental gesund“ der AOK PLUS Sachsen & Thüringen

Mit dem neuen Angebot hilft die Krankenkasse ihren Versicherten niederschwellig in psychisch belastenden Situationen.

Stress, Überforderung, familiäre Konflikte, depressive Verstimmungen oder das Gefühl, den Alltag kaum noch bewältigen zu können: Viele Menschen geraten in Situationen, in denen sie frühzeitig Unterstützung brauchen. Genau hier setzt das Angebot „Mental gesund“ der AOK PLUS Sachsen & Thüringen an.

„Mental gesund“ ist ein niedrigschwelliges Unterstützungsangebot für Menschen in seelisch belastenden Lebenssituationen. Es ist keine Psychotherapie, sondern eine ergänzende Leistung zur Rehabilitation nach § 43 Abs. 1 SGB V.

Für Versicherte kann das Angebot eine wichtige Hilfe sein, um frühzeitig Stabilität, Orientierung und neue Handlungsmöglichkeiten zu gewinnen. 

Wichtig ist dabei die klare Einordnung: „Mental gesund“ ist keine Psychotherapie und ersetzt auch keine psychiatrische oder psychotherapeutische Behandlung. Es handelt sich um eine Leistung nach § 43 Abs. 1 SGB V, also um eine ergänzende Leistung zur Rehabilitation. Das Angebot soll Menschen in belastenden Situationen stabilisieren, ihre Ressourcen stärken und ihnen helfen, besser mit ihrer Situation umzugehen.  

Ebenfalls neu ist: Auch qualifizierte Heilpraktiker:innen für Psychotherapie können unter bestimmten Voraussetzungen Teil dieses Programms werden.

Wer kann „Mental gesund“ nutzen?

Das Angebot richtet sich an Versicherte der AOK PLUS ab 16 Jahren, wenn entsprechende Belastungen oder Indikationen vorliegen. Dazu können zum Beispiel depressive Episoden, Anpassungsstörungen, berufliche oder familiäre Belastungen sowie Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung gehören.  

Die AOK PLUS informiert Versicherte über das Angebot. Ob „Mental gesund“ im konkreten Fall medizinisch geeignet und notwendig ist, entscheidet jedoch nicht die AOK PLUS selbst, sondern ausschließlich niedergelassene behandelnde Ärzte:innen oder Psychotherapeut:innen. 

Für die Teilnahme wird eine medizinische Notwendigkeitsbescheinigung benötigt. Dafür gibt es bei der AOK PLUS ein standardisiertes Verfahren mit einem einheitlichen Antragsformular. Dieses Formular wird vom behandelnden Arzt oder Psychotherapeuten ausgestellt und entspricht der notwendigen Bescheinigung.

Wie läuft das Angebot ab?

„Mental gesund“ findet als Einzelbetreuung statt. Der Ablauf ist übersichtlich:

Zunächst gibt es ein Erstgespräch. Danach folgen bis zu vier Beratungseinheiten à 60 Minuten. Anschließend gibt es ein Auswertungsgespräch und einige Wochen später einen verbindlichen Nachkontakt.  

Inhaltlich geht es um psychische Gesundheit, Selbstfürsorge, Stressbewältigung, Resilienz, Entspannung, Ressourcenarbeit und konkrete Hilfen für den Alltag. Ziel ist nicht eine Behandlung im Sinne einer Psychotherapie, sondern Hilfe zur Selbsthilfe: Die Teilnehmenden sollen besser verstehen, was sie belastet, was sie stärkt und welche Schritte ihnen im Alltag helfen können.

Auch Heilpraktiker:innen für Psychotherapie können beteiligt sein

Diese Leistungen können nicht nur Psycholog:innen und Psychotherapeut:innen anbieten, sondern auch Fachkräfte mit einem Studienabschluss in Erziehungswissenschaften, als Sozialpädagog:in oder Sozialarbeiter:in mit der Zusatzqualifikation als Heilpraktiker:innen. Dafür müssen sie jedoch weitere Anforderungen wie bestimmte ergänzende Qualifikationen, Praxiserfahrung, geeignete Räume, Ausstattung und ein Notfallmanagement nachweisen können.

Wie viele Anbieter gibt es bereits?

Zum Leistungsbeginn am 1. Januar 2026 gab es nach Auskunft der AOK PLUS bereits 52 Anbieter mit 61 Angeboten. Die höhere Angebotszahl erklärt sich dadurch, dass ein Anbieter mehrere Fachkräfte einsetzen kann, gegebenenfalls auch an unterschiedlichen Standorten.

Weitere Anbieter können und sollen hinzukommen. Der Einstieg erfolgt halbjährlich. Die nächsten Anbieter können mit Leistungsbeginn zum 1. Juli 2026 dazukommen. Bewerbungen liegen bereits vor.

Zur Zahl der bereits betreuten Klient:innen und zu den erbrachten Stunden liegen aktuell noch keine belastbaren Abrechnungsdaten vor. Dafür ist es nach Auskunft der AOK PLUS noch zu früh.

Auch zur Frage, bei wie vielen Teilnehmenden das Angebot ausreichend war und wie viele danach dennoch eine Psychotherapie begonnen haben, gibt es bisher keine Auswertung. Eine spätere Analyse oder Evaluation ist zwar vorgesehen, wird aber frühestens in ein bis zwei Jahren sinnvoll möglich sein, wenn eine ausreichende Datenbasis vorliegt.

Wichtig ist außerdem: Das Angebot kann ausdrücklich auch genutzt werden, um eine Wartezeit bis zum Beginn einer Psychotherapie zu überbrücken. Dass Teilnehmende später trotzdem eine Psychotherapie beginnen, wäre daher kein Widerspruch zum Sinn des Angebots.  

Die AOK PLUS ist für Sachsen und Thüringen zuständig. Eine Ausweitung auf andere Bundesländer ist nach Auskunft der AOK PLUS derzeit nicht geplant.

Grundsätzlich können auch AOK PLUS-Versicherte aus anderen Bundesländern teilnehmen. Allerdings ist das Angebot nur vor Ort möglich. Online-Sitzungen sind nicht vorgesehen. Praktisch kommt das daher vor allem für Versicherte infrage, die im Grenzbereich zu Sachsen oder Thüringen wohnen.

Was sollten Versicherte tun?

Wer bei der AOK PLUS versichert ist und sich psychisch belastet fühlt, kann sich bei der AOK PLUS über das Angebot „Mental gesund“ informieren. Ob das Angebot im konkreten Fall tatsächlich geeignet ist, klärt  der behandelnde Arzt oder Psychotherapeut, der bei medizinischer Notwendigkeit auch den Antrag ausstellt.

Was sollten Heilpraktiker für Psychotherapie tun?

Heilpraktiker:innen für Psychotherapie, die das Angebot anbieten möchten, sollten prüfen, ob sie die geforderten Qualifikationen im Gesamtpaket erfüllen. Entscheidend ist nicht nur die HPP-Ausbildung, sondern die Kombination aus Qualifikation, Erfahrung, geeigneter Praxisstruktur und Einhaltung des AOK-PLUS-Rahmenkonzepts.

Interessierte Anbieter können sich über das Open-House-Verfahren „Sekundärprävention“ – Angebot „Mental gesund“ bei der AOK PLUS informieren.

Zuständige Ansprechpartner finden Sie auf https://www.aok.de/gp/fachthemen/praevention/anbieterinformation/sekundaerpraevention

Solche Programme sollten Schule machen

Das Programm „Mental“ gesund“ ist ein knappes halbes Jahr nach dem Start mit insgesamt 61 Angeboten, denen rund 2,75 Millionen Mitglieder und ca. 3,47 Millionen Versicherte insgesamt gegenüberstehen, begrüßenswerter Anfang.

Das Programm könnte ein sinnvolles, schlüssiges und nachahmenswertes Vorbild für andere Bundesländer und/oder andere Versicherungsgesellschaften sein.

Der präventive Grundgedanke des Programms verspricht bei einem entsprechenden Ausbau der Unterstützungskapazitäten aufgrund seines niedrigschwelligen Ansatzes und der vergleichsweise schnelleren Verfügbarkeit mittelfristig eine Entlastung der überfüllten psychotherapeutischen Praxen. 

Es zeigt darüber hinaus, welchen Spielraum die gesetzlichen Krankenkassen bei der Gestaltung von Unterstützungsangeboten für ihre Versicherten haben.