Unterstützungsmaßnahmen aus psychologischer Sicht

Die meisten Studien belegen, dass sämtliche Maßnahmen einen positiven Einfluss auf die psychische Gesundheit haben. Allerdings verschlechterte sich der Gesundheitszustand nach dem Ende einer Maßnahme, wenn die Betroffenen nicht in eine neue Arbeitsstelle vermittelt werden konnten. Sehr langfristige Nachuntersuchungen zeigten aber auch, dass Erwerbslose durch die Maßnahmen stabiler wurden und Misserfolge bei Bewerbungen besser bewältigten.

Für eine erfolgreiche Vermittlung von Erwerbslosen sollte insbesondere deren psychische Stabilität möglichst lange gesichert werden. Psychische Reserven werden dringend benötigt, denn alle erfolglosen Bewerbungsaktivitäten haben den Selbstwert bedrohende Erfahrungen zur Folge.

Die stützenden Maßnahmen sollten so früh wie möglich ansetzen, am besten bevor es zu einer Chronifizierung von misslingenden Bewältigungsstrategien kommt, möglichst sogar vor dem Verlust des Arbeitsplatzes. Es gilt auch, Schädigungen, die bereits bei Arbeits-platzunsicherheit entstehen, zu vermeiden. Eine persönlichkeitsfördernde Gestaltung der Arbeitsinhalte ist ebenfalls Primärprävention. Sie hilft den Menschen, psychische Fähigkeiten zu entwickeln, mit denen sie auch Zeiten ohne Erwerbstätigkeit konstruktiv gestalten können.

Eine „Vermittlung um jeden Preis“ kann sich mittelfristig als negativ für die Psyche  erweisen, denn nicht jede Art der Erwerbsarbeit ist besser als keine Erwerbsarbeit. Personen mit "Bad Jobs" (einfach, gering bezahlt, ungesichert, unterbeschäftigt) weisen häufig eine schlechtere psychische Befindlichkeit auf als Erwerbslose.

Die Anpassung an ein unbefriedigendes Beschäftigungsverhältnis hat oft negativere psychische Folgen als eine länger anhaltende Überwindung der Arbeitslosigkeit. Somit müssen die Bedingungen der Erwerbsarbeit vor oder bei der Vermittlung immer berücksichtigt werden.

Martin L. merkte rasch, dass er Unterstützung nötig hatte - und dass nicht über die Agentur für Arbeit, um eine neue Arbeit zu finden - sondern jemanden, dem er sozusagen "sein Herz ausschütten" konnte und der ihm Feedback zu seinen negativen Gefühlen, Stimmungsschwankungen und Selbstzweifeln geben würde. Er war sich seiner Stärken und beruflichen Qualifikationen sehr wohl bewusst, konnte sich gut verkaufen, startete sogar eine Weiterbildung parallel zur Stellensuche, dennoch fühlte Martin L. sich von Tag zu Tag elender. Gespräche mit Freunden und Verwandten halfen ihm nicht weiter, deprimierten ihn stattdessen eher noch. Früher kaum einmal beim Arzt gewesen, ließ er sich nach einiger Zeit mehrfach einen Termin geben, da ihn fast täglich Kopfschmerzen plagten, er regelmäßig Magenkrämpfe und Verdauungsbeschwerden hatte und zunehmend oft feststellte, an Schlafstörungen zu leiden. Auf Anraten seines Hausarztes begann er eine Behandlung bei einem Psychotherapeuten.

Andrea M. tat es sehr gut, dass sie zwei weitere Frauen aus ihrer bisherigen Firma kannte, die ebenfalls ihre Arbeit verloren haben und zu denen sie seit ihrer Kündigung regelmäßig Kontakt hatte. Gegenseitig fühlten sie sich verstanden, mussten nichts erklären, konnten aber dennoch mal Ärger, Wut, Verzweiflung oder auch Angst thematisieren. Der Kontakt zu anderen Erwerbslosen hilft beim Umgang mit der Erwerbslosigkeit. Das spricht wiederum für die Konzepte der Erwerbsloseninitiativen.

Therapeuten und Trainer können Betroffenen in verschiedener Hinsicht Hilfestellung bei der Überwindung ihrer Erwerbslosigkeit geben:

Testen Sie hier auf therapie.de mittels bewährter, wissenschaftlich fundierter psychologischer Tests, ob bei Ihnen eine psychische Störung vorliegt, die eine Behandlung durch einen qualifizierten Facharzt oder Diagnostiker notwendig machen könnte: www.therapie.de/psyche/info/test/


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 •  Aktualisiert am 07.02.2011