Fragen und Zweifel in der Therapie

Mit freundlicher Genehmigung entnommen aus dem empfehlenswerten Buch "Chance Psychotherapie" der Verbraucherzentrale Nordrhein-Wesfalen e.V..

 

Im Folgenden sind Fragen und Zweifel zusammengestellt, die sich im Verlauf einer Psychotherapie ergeben können, aber nicht müssen. Mit diesen „Stolpersteinen“ wollen wir Sie nicht verunsichern, sondern vielmehr dazu beitragen, Ihnen die Abläufe in einer Psychotherapie zu veranschaulichen. Denn es ist ganz normal, dass eine Therapie nicht stets harmonisch und glatt erfolgt, sondern manchmal Fragen, Zweifel oder sogar Verunsicherungen auftreten.

Fragen, Zweifel oder Bedenken
im Therapieverlauf offen zur
Sprache bringen

Solche Erfahrungen sind durchaus nicht immer negativ zu bewerten, mitunter tragen sie zur Klärung oder einem tieferen Verständnis der eigenen Probleme bei. Wir möchten Ihnen Hinweise geben, was Sie tun können, wenn im Laufe Ihrer Therapie Bedenken auftauchen sollten. Häufig wird es sinnvoll sein, solche Zweifel oder Fragen offen anzusprechen und mit dem Therapeuten zu klären. Manchmal allerdings kann es auch notwendig sein, etwas Geduld aufzubringen oder die eigene Erwartungshaltung zu verändern. Wenn das alles nichts ändert und Ihre Bedenken bestehen bleiben, dann kann es eine notwendige Konsequenz sein, die Therapie abzubrechen oder den Therapeuten zu wechseln.

  1. „Ich weiß nicht, ob das richtig angekommen ist ...“
  2. „Und das soll was bringen?“
  3. „Natürlich hat alles zwei Seiten“
  4. „Ist Ihre Ehe glücklich?“
  5. „Eigentlich nicht so gerne ... „
  6. „Bin ich wirklich so krank?“
  7. „So werden wir nicht recht weiterkommen“
  8. „Und was soll ich tun?“
  9. „Wie lange das dauert!“
  10. „Ein toller Typ ... „
  11. „Ich denke nur noch an die nächste Sitzung ... „
  12. „Wie Du Dich verändert hast ... „

„Ich weiß nicht, ob das richtig angekommen ist ...“

Wenn Sie den Eindruck haben, dass Ihr Therapeut Ihr Problem nicht richtig versteht

Wenn Sie über mehrere Sitzungen hinweg das Gefühl haben, mit Ihren Problemen nicht verstanden zu werden, dann ist dies ein gewichtiger Einwand gegen die Art oder die Gestaltung der Therapie. Prüfen Sie Ihren Eindruck daher genau und schieben ihn nicht beiseite in der Hoffnung, dies werde sich irgendwann von selbst geben. Wenn ein Therapeut Ihnen nicht zeigen kann, dass er Ihre Schwierigkeiten wirklich erfasst hat und sich auch dafür interessiert, dann fehlt eine wichtige Voraussetzung für eine therapeutische Beziehung. Gebraucht er dann noch eine Sprache, die Ihnen fremd erscheint, benutzt er viele Fach- oder Fremdworte, die Sie nicht oder nur teilweise verstehen, dann sind dies weitere Einwände, über die Sie nicht hinweggehen sollten. Ein Therapeut sollte sich ernsthaft darum bemühen, für Sie verständlich zu formulieren. Schließlich reden wir im Alltag genug aneinander vorbei, hören uns nicht zu, wollen uns vielleicht auch nicht verstehen: Gerade das soll und darf es in einer Therapie nicht geben. Fragen Sie also, wenn Worte gebraucht werden, die Sie nicht kennen. Haken Sie ein, was gemeint ist, wenn wiederholt unklare Andeutungen gemacht werden. Und sagen Sie auch, wenn Sie wiederholt das Gefühl haben, Ihr Therapeut nehme Ihre Schwierigkeiten nicht ernst oder interessiere sich nicht für das Problem.

„Und das soll was bringen?“

Wenn Sie bezweifeln. ob die von dem Therapeuten vorgeschlagenen Maßnahmen Ihnen wirklich helfen können

„Stundenlang hat er nur zugehört. Dann hat er vorgeschlagen, ich soll mal allein ohne meinen Mann in Urlaub fahren. Wie komme ich dazu? Das kann ich doch nicht einfach tun!“ Wie Sie mit Zweifeln dieser Art umgehen können, hängt von vielen Einflüssen ab; zum Beispiel davon, welche Erfahrungen Sie bisher mit derartigen Maßnahmen gemacht haben und in welcher Phase der Therapie Sie sich befinden. Wenn Sie gleich zu Beginn der Therapie starke Einwände gegen das Vorgehen in der Sitzung oder gegen Vereinbarungen mit dem Therapeuten haben, dann stimmen meist wichtige Voraussetzungen nicht, die für einen erfolgreichen Therapieverlauf nötig sind. Möglicherweise wird der Therapeut Ihre Motivation und Bereitschaft zur Therapie in Frage stellen, wenn Sie ihm bereits frühzeitig zu erkennen geben, dass Sie an den Erfolg von Maßnahmen nicht glauben. Ein guter Therapeut sollte dann seine Bemühungen nicht einfach fortsetzen, sondern sich vor allem mit Ihrer Behandlungsmotivation beschäftigen: Warum wollen Sie die Therapie? Was versprechen Sie sich davon? In jedem Fall wird er Ihre Einwände ernst nehmen.

 

Bei grundlegenden Zweifeln am therapeutischen
Vorgehen sollten Sie einen Wechsel oder
Abbruch der Therapie erwägen.

Grundlegende, tiefe Zweifel am therapeutischen Vorgehen sind mehr oder weniger das Aus für eine Therapie. Ein Konflikt kann beispielsweise entstehen, wenn ein Therapeut Sie immer wieder nach vergangenen Erlebnissen aus Ihrem Elternhaus oder Ihrer Biographie fragt, Sie selbst aber entschlossen sind, sich mit diesen Erfahrungen nicht in der Therapie zu beschäftigen, weil Sie sich davon nichts versprechen. Oder ein Therapeut versucht, mit Ihnen Vereinbarungen zu treffen, wie Sie sich in der Zwischenzeit bis zur nächsten Sitzung gegenüber Ihren aufsässigen Kindern verhalten sollen. Sie sind aber der festen Überzeugung, dass Ihnen dieses Experiment mehr schaden als nutzen wird. Souveräne Therapeuten werden Ihren Wunsch respektieren und nichts mit Ihnen unternehmen, was Sie nicht wirklich wollen. Darüber hinaus gibt es kaum allgemeine Regeln, die Ihnen als Laie vorhersagen, ob Vorschläge von Therapeuten Erfolg versprechend sind oder nicht. Verlassen Sie sich auf Ihr Gefühl, und bringen Sie Ihre Bedenken zur Sprache.

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„Natürlich hat alles zwei Seiten“

Wenn es Ihnen im Therapieverlauf vorübergehend schlechter geht

Nicht selten müssen weiterführende Erfahrungen und Entwicklungen durch zusätzliche Anstrengungen, mitunter auch durch zusätzliche Schmerzen oder Beschwerden erkauft werden. Beispielsweise stellt eine Frau, die immer sehr behütet und gut versorgt gelebt hat, im Laufe ihrer Ehe schließlich fest, dass sie sich bis zur Selbstaufgabe den Bedürfnissen anderer Menschen, insbesondere denen ihres Ehemannes angepasst und unterworfen hat. Sie merkt, dass sie durch ihre Unterordnung immer depressiver und ängstlicher geworden ist. In der Therapie wird sie sich entscheiden müssen, ob sie die gewohnte Rolle beibehalten möchte oder ob sie lieber versuchen möchte, sich aus ihr zu lösen. Therapeuten wissen: Sehr wahrscheinlich wird es vorübergehend zusätzliche Streitigkeiten und Auseinandersetzungen mit dem Ehemann geben, wenn sie weniger Rücksicht auf ihn nimmt. Vielleicht wird sie sich durch diese Konflikte eine Zeit lang schlechter fühlen. gleichzeitig lernt sie aber in der Therapie, dass diese Schritte möglich und auch für sie sinnvoll sein können.

 

Verschlechterung des Befindens:
nur akzeptabel, wenn es vorübergehend
ist und zur Problemlösung beiträgt.

Was aber ist „vorübergehend“? Natürlich sollte die Aussicht bestehen, dass es Ihnen durch zusätzliche Belastungen langfristig besser gehen wird. Warum sonst sollten Sie eine vorübergehende Verschlechterung in Kauf nehmen? Fragen Sie also, wenn bevorstehende zusätzliche Probleme angedeutet oder angekündigt werden, was genau damit gemeint ist und wie der zeitliche Verlauf dieser Belastungen einzuschätzen ist. Wenn Ihre Therapie mit 30 bis 50 Sitzungen veranschlagt wird, und Sie haben nach 10 bis 15 Sitzungen das Gefühl, dass es Ihnen auch infolge der Therapiekontakte noch schlechter als früher geht, dann bringen Sie das zur Sprache. Es gibt Therapeuten, die es für notwendig halten, dass Sie sich immer wieder an belastende und kränkende Erfahrungen aus der Vergangenheit erinnern. Diese Annahme muss jedoch nicht richtig sein. Wenn es Ihnen durch die Auseinandersetzung mit belastenden früheren Ereignissen im Therapieverlauf immer schlechter geht, dann wägen Sie sorgfältig die Vor- und Nachteile einer Fortführung der Therapie ab.

„Ist Ihre Ehe glücklich?“

Wenn Therapeuten Dinge oder Erfahrungen erfragen, die Sie lieber für sich behalten wollen

Nur Sie selbst treffen die Entscheidung,
worüber Sie sprechen und was Sie
für sich behalten wollen.

Manche Patienten befürchten, in der Therapie zu sehr unter dem Druck zu stehen, bestimmte Dinge sagen oder tun zu müssen. Gerade die Unsicherheit am Anfang löst solche Ängste aus: Was wird er mich fragen? Muss ich alles sagen? Muss ich mich auch mit Themen beschäftigen, die mir zuwider sind oder die ich für unwichtig halte? Muss ich auf Fragen antworten, die mir unangenehm oder peinlich sind? Vielleicht wird ein Therapeut Ihnen erläutern, warum er es für wichtig hält, darüber zu sprechen. Beispielsweise kann er im Laufe der Behandlung den Eindruck gewinnen, dass die Ängste, die eine Patientin beschreibt, möglicherweise auf eine früher erlebte Vergewaltigung zurückzuführen sind. Oder eine Therapeutin vermutet, dass die ehelichen Schwierigkeiten, die eine Patientin beschreibt, zum großen Teil auf den Alkoholismus des Ehemannes zurückzuführen sind. So werden Verbindungen gezogen, die Ihnen auf den ersten Blick vielleicht unangenehm, peinlich oder auch nicht ganz geheuer sind. In allen diesen Situationen gilt für Sie die Regel: Was Sie für sich behalten wollen, das behalten Sie für sich. Es besteht in einer Therapie kein Zwang, auf alle Fragen zu antworten. Eine Therapie ist keine Beichte, vielmehr steht es Ihnen frei, ob Sie überhaupt etwas und was Sie zum Thema sagen wollen.

 

Auf der anderen Seite sollte eine Therapie Ihnen natürlich die Gelegenheit bieten, über andere Themen oder in anderer Art und Weise darüber zu sprechen, als Sie dies sonst gewohnt sind. Gerade dafür sind Therapeuten schließlich ausgebildet, und diese Gelegenheit sollten Sie in einer Therapie auch nutzen.

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„Eigentlich nicht so gerne ... „

Wenn Sie sich gedrängt fühlen, Dinge zu tun, die Ihnen peinlich oder unangenehm sind

Grundsätzlich gilt hier dasselbe wie im vorigen Abschnitt. Sie sollten jedoch berücksichtigen, dass es in manchen Fällen das Ziel der Therapie sein kann, sich zu unangenehmen oder peinlichen Verhaltensweisen zu überwinden. Wenn Sie zum Beispiel an Unsicherheit oder Angst vor anderen Menschen leiden, dann wird etwa eine Verhaltenstherapie darauf abzielen, dass Sie sich bewusst und absichtlich in solche für Sie unangenehmen Situationen begeben und lernen, sich darin zurechtzufinden. Voraussetzung für dieses Vorgehen ist, dass Sie in den Therapiesitzungen auf praktische Übungen genügend vorbereitet wurden und auch motiviert sind, diese in der Realität umzusetzen. Beispielsweise kann eine Therapeutin Sie bei Ängsten vor anderen Menschen auffordern, fremde Leute auf der Straße anzusprechen oder sich irgendwie auffällig in der Öffentlichkeit zu verhalten. Sie sollen so lernen, mit unangenehmen oder schwierigen Situationen umzugehen und zugleich festzustellen, dass die befürchteten unangenehmen Konsequenzen normalerweise ausbleiben.

 

In allen Zweifelsfällen ist
Ihr Einverständnis entscheidend

Möglicherweise werden Ihnen während der Therapiesitzung Verhaltensweisen vorgeschlagen, die ungewohnt oder unangenehm für Sie sind. Manche Therapeuten fordern zum Beispiel ihre Patienten auf, sich vorzustellen, dass auf dem leeren Stuhl vor ihnen „ihre Angst sitzt“, mit der sie ein Gespräch führen sollen. Wenn Ihnen ein solcher Vorschlag jedoch zu künstlich und fremdartig erscheint, dann müssen Sie diesen Vorschlag natürlich nicht befolgen.

Alle Verhaltensweisen setzen Ihr Einverständnis voraus, in diesem Sinne sollten Sie die Anregungen und Interpretationen von Therapeuten auch verstehen: Es sind eben Vorschläge, keine Befehle.

 

Es kann auch Situationen geben, in denen ein Therapeut Sie körperlich berührt. Eine kürzlich veröffentlichte Studie ergab, dass manche Therapeuten Mitgefühl oder Nähe zu ihren Patienten zum Ausdruck bringen, indem sie sie zum Beispiel am Arm berühren, ihnen über den Rücken streichen oder sie auch umarmen. Bei körperorientierten Therapien geschieht dies mitunter auch häufiger. Wenn Ihnen die Nähe unangenehm ist, weisen Sie sie unmissverständlich zurück. Dies gilt natürlich erst recht bei sexuellen Anspielungen oder Berührungen.

„Bin ich wirklich so krank?“

Wenn Sie das Gefühl haben, dass die Therapie zu sehr um Ihre Schwächen kreist und Ihre Stärken vergisst

Dass in einer Psychotherapie die Probleme und Schwierigkeiten eines Patienten zunächst im Vordergrund stehen und auch ausführlich behandelt werden müssen, dürfte kaum verwundern. Schließlich sind es die Probleme, die Patienten zu einer Therapie veranlassen.

Zusätzliche Schwierigkeiten können jedoch entstehen, wenn in der Therapie nichts anderes geschieht, als Probleme zu beschreiben, sie zu deuten und zu anderen Problemen in Beziehung zu setzen, kurzum: wenn Sie mit Ihrem Therapeuten über nichts anderes mehr reden als darüber, was alles nicht funktioniert. Vorschub zu einer solchen Entwicklung kann dabei die Sprache und Wortwahl des Therapeuten leisten. Wenn Ihr Therapeut beispielsweise dazu neigt, in allen Ihren Verhaltensweisen, Erfahrungen oder Gedanken nur noch Zeichen von Schwäche, Unsicherheit, Angst, Hilflosigkeit, Unfähigkeit, Gestörtheit oder Willenlosigkeit zu sehen, dann kann es für Sie dadurch unnötig schwer werden, sich Ihrer eigenen Kräfte wieder bewusst zu werden und diese zur Lösung Ihrer Probleme einzusetzen.

 

Fragen Sie nach, wenn Sie
Fachbegriffe nicht verstehen

Auch die Fachbegriffe der Psychotherapeuten können etwas Entmutigendes haben, wenn Sie immer wieder damit konfrontiert werden, vor allem dann, wenn Sie nicht genau wissen, was sich dahinter verbirgt (z. B. Sätze wie „Sie haben eine Persönlichkeitsstörung, ... zu wenig Selbstbewusstsein, ... ein zu geringes Selbstwertgefühl, Ihnen fehlt der Antrieb ... fehlt die soziale Kompetenz, ... Sie sind nicht konfliktfähig“).

 

Sie sollten in diesem Zusammenhang wissen, dass die Psychotherapieforschung gezeigt hat, dass Behandlungserfolge eher dann zu erwarten sind, wenn Ihr Therapeut die Behandlung auf die Wahrnehmung und Förderung Ihrer persönlichen Fähigkeiten und Stärken ausrichtet. Man spricht dabei auch von einer Orientierung an den Ressourcen der Patienten. Insofern ist es durchaus gerechtfertigt, wenn Sie gegen ein Verhalten des Therapeuten Einwände vorbringen, das Sie nur noch schwach, krank, hilflos, überfordert oder unfähig aussehen lässt. Sprechen Sie es offensiv in der Therapie an, wenn Sie wiederholt das Gefühl haben, dass Ihr Therapeut Sie durch sein Verhalten noch weiter entmutigt, schwächt oder demoralisiert.

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„So werden wir nicht recht weiterkommen“

Wenn Ihr Therapeut Sie auffordert, sich stärker an getroffene Vereinbarungen zu halten

Vereinbarungen sind wertlos,
wenn Sie nicht eingehalten werden.

Erfahrungen dieser Art sind vor allem in einer Verhaltenstherapie möglich, weil hier häufig mit Vereinbarungen oder so genannten Hausaufgaben gearbeitet wird. Wenn Sie zum Beispiel an gestörtem Essverhalten leiden, kann ein Verhaltenstherapeut mit Ihnen verabreden, dass Sie sich in der kommenden Woche an einen ganz bestimmten Essrhythmus oder eine bestimmte Essgeschwindigkeit halten sollen. Wenn Sie depressiv sind und morgens nicht aus dem Bett kommen, dann können Sie zum Beispiel absprechen, dass Sie an wenigstens drei Tagen in der Woche vor neun Uhr aufstehen. Vereinbarungen dieser Art sind vor allem dann sinnvoll, wenn sie tatsächlich einen Bezug zum Problem haben, wenn Sie als Patient oder Patientin diesen Bezug auch sehen können und wenn Sie entschlossen sind, diese einzuhalten. Wenn Sie sich nicht danach richten, nehmen Sie einem Verhaltenstherapeuten quasi das Handwerkszeug weg. Insofern ist es wohl berechtigt, wenn er es mit der Befolgung von Vereinbarungen sehr genau nimmt.

 

Meist wird das bisherige Vorgehen noch einmal sorgfältig überprüft, wenn Sie sich nicht an Vereinbarungen gehalten haben. Ihr Therapeut wird nach den Gründen und Motiven dafür fragen. Es kann dann sinnvoll sein, weniger schwierige Verhaltensweisen abzusprechen oder in kleineren Schritten vorzugehen.

„Und was soll ich tun?“

Wenn Sie sich konkretere Hinweise und Anleitung durch Ihren Therapeuten wünschen

Manche Psychotherapeuten stehen in dem Ruf, zwar viel zu verstehen, aber wenig Konkretes zur Veränderung oder Lösung des Problems beizutragen. Insbesondere bei Therapien, die darauf abzielen, dass Patienten ihr Problem oder sich selbst auf eine neue Weise verstehen oder interpretieren (wie bei der psychoanalytischen Therapie oder der Gesprächstherapie), ist dies nahe liegend. Hier können Sie als Patient oder Patientin leicht den Eindruck gewinnen, als hätten die Therapeuten zu wenig zu sagen. Umgekehrt werden Therapeuten richtigerweise davon überzeugt sein, dass Ihre persönliche Einschätzung oder Bewertung des Problems das eigentlich Entscheidende ist. Insofern werden sie es mehr oder weniger konsequent vermeiden, Ihnen Lösungen in Form von Anleitungen oder Ratschlägen vorzugeben.

 

Einige Therapierichtungen schließen
konkrete Verhaltensanweisungen
grundsätzlich aus.

Das Ausmaß, inwieweit ein Therapeut konkrete Hinweise und Anleitungen gibt, ist durch seine therapeutische Ausrichtung sowie seine persönliche Art bestimmt. In der Regel werden Sie psychoanalytisch oder gesprächstherapeutisch ausgerichtete Psychotherapeuten kaum dazu veranlassen können, Ihnen viele konkrete Anweisungen oder Ratschläge zu geben. Überlegen Sie daher frühzeitig, ob Sie in der Therapie eher konkrete Anleitungen wünschen oder eher eine Person, die gemeinsam mit Ihnen ein anderes Verständnis für Ihre Probleme entwickelt. Psychoanalytische oder tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapien sind meist weniger geeignet bei Wünschen nach konkreter und sichtbarer Veränderung.

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„Wie lange das dauert!“

Wenn Sie sich schnellere Erfolge wünschen

Bekanntlich wirkt Psychotherapie nicht sofort. Etwas Zeit werden Sie schon mitbringen müssen. Auch Therapeuten selbst haben es unterschiedlich eilig damit, Veränderungen in Gang zu bringen. So verwenden manche von ihnen bevorzugt Methoden (wie bestimmte Hypnosetechniken), die in dem Ruf stehen, schnelle Erfolge herbeizuführen. Umgekehrt gibt es aber auch Therapeuten, die davon ausgehen, dass die Ungeduld ihrer Patienten und Patientinnen selbst ein Problem ist, das behandelt werden muss.

Bestimmen Sie das
Tempo Ihrer Therapie mit!

Allzuviel Geduld müssen Sie für Ihre Therapie jedoch nicht aufbringen. Insgesamt hat sich in den letzten Jahren in Fachkreisen zunehmend die Auffassung durchgesetzt, dass kurze Therapien etwa im Umfang von 20 bis 30 Sitzungen ähnlich wirksam sind wie lang andauernde. Machen Sie also Ihrer Ungeduld, wenn sie denn nach 20 Sitzungen ohne spürbare Veränderungen auftreten sollte, ruhig etwas Luft.

„Ein toller Typ ... „

Wenn Sie Ihren Therapeuten oder Ihre Therapeutin persönlich näher kennen lernen möchten

Von außen betrachtet erinnert einiges in einer Therapie an eine freundschaftliche Beziehung: Zwei Menschen treffen sich immer wieder, sie unterhalten sich intensiv über persönliche Probleme und Schwierigkeiten, gehen aufeinander ein und versuchen gemeinsam, Probleme zu bewältigen. Da ist es nicht verwunderlich, wenn sich unter diesen Bedingungen auch Sympathie und Zuneigung entwickelt. Dies kann bisweilen so weit gehen, dass sich Patientinnen und Patienten in ihren Therapeuten oder ihre Therapeutin verlieben.

 

Sollten Sie als Patient oder Patientin Ihren Therapeuten oder Ihre Therapeutin näher kennenlernen wollen, dann können Sie dies direkt ansprechen; Sie können es aber auch für sich behalten oder mit anderen bereden. In aller Regel wird ein Psychotherapeut Ihre Bedürfnisse nach näherem persönlichem Kontakt zurückweisen: Das heißt, er wird Ihnen zum Beispiel keine persönlichen Briefe schreiben oder zurück schreiben, er wird sich nicht abends mit Ihnen zum Essen verabreden oder Ihnen Geschenke machen. Es mag sein, dass ein Therapeut Ihnen auf Nachfrage Informationen über persönliche Merkmale oder über die eigene Lebenssituation gibt. Weitergehende Annäherungen sind jedoch aus der Sicht seriöser Psychotherapieverfahren nicht zulässig.

 

Seriöse Therapeuten nehmen
keine persönlichen oder sexuellen
Beziehungen zu Ihren Patienten auf.

Das bedeutet nicht, dass Psychotherapeuten in den Annäherungsbedürfnissen, die einige ihrer Patienten äußern, nur ein Problem sehen. Ganz im Gegenteil werten manche Therapeuten diese Wünsche sogar als ein Zeichen dafür, dass die Therapie gut funktioniert. Dennoch gehen auch diese Therapeuten auf die Bedürfnisse ihrer Patienten nicht ein, denn eine persönliche, insbesondere aber sexuelle Beziehung zwischen Patienten und Therapeuten gilt als Tabu und somit als Kunstfehler.

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„Ich denke nur noch an die nächste Sitzung ... „

Wenn Sie den Eindruck haben, zu sehr von den Therapiesitzungen abhängig zu sein

Vorübergehend kann die
Therapie einen hohen Stellenwert
in Ihrem Leben einnehmen.

Manche Patienten entwickeln im Verlauf einer Psychotherapie das Gefühl, zu sehr von den Sitzungen abhängig zu sein. Das heißt, sie warten immer wieder auf das nächste Treffen und haben das Empfinden, sich eigentlich nur während dieser Termine so geben zu können, wie sie sich fühlen. Eine solche Abhängigkeit wird dann stärker ausgeprägt sein, wenn die Sitzungen sehr häufig sind, Sie den Therapeuten sehr mögen und sonst niemanden haben, mit dem Sie ähnlich intensiv über Ihre Probleme sprechen können. Grundsätzlich muss es kein Fehler sein, wenn Sie vorübergehend das Gefühl haben, in gewisser Weise auch von den Sitzungen abhängig zu sein. Es zeigt, dass Sie sich auf neuen Wegen befinden, für die Sie vorerst noch Unterstützung brauchen. Und es zeigt auch, dass Sie die Treffen ernst nehmen.

 

Andererseits kann es nicht Sinn einer Psychotherapie sein, Ihr ganzes Denken, Fühlen und Handeln auf unabsehbare Zeit nur auf Ihre Therapie zu beziehen. Sinnvoll wird dieser hohe Stellenwert nur dann sein, wenn Sie die Therapie als eine vorübergehende Phase begreifen. Sie können zum Beispiel Abstand gewinnen, indem Sie die Zeiträume zwischen den Sitzungen verlängern oder das Ende der Therapie gedanklich vorwegnehmen. Oft ist es auch angebracht, dass Sie versuchen, Erfahrungen aus der Therapie verstärkt im Alltag umzusetzen. So kann die Bedeutung der einzelnen Therapiesitzungen für Sie abnehmen.

„Wie Du Dich verändert hast ... „

Wenn Sie sich über positive Veränderungen freuen, aber Ihre Umwelt nicht so recht mitspielt

Mögliche Reaktionen
Ihres Umfeldes einplanen

Durch eine Psychotherapie kann sich vieles verändern. Diese Veränderungen können sowohl Sie selbst als Patient oder Patientin als auch Ihre Umwelt, Ihre Freunde, Ihr Partner, Familienangehörige, Arbeitskollegen oder andere Personen in Ihrer Umgebung betreffen. Sie sollten sich darauf einstellen, dass die Reaktionen darauf nicht immer und bei allen Beteiligten durchweg positiv ausfallen müssen. Ein Beispiel mag das illustrieren: Stellen Sie sich eine junge Frau vor, die infolge der Therapie selbstbewusster gegenüber ihrer Familie und ihren mit im Haus lebenden Eltern auftritt. Sie beginnt, auch mal alleine etwas in ihrer Freizeit zu unternehmen. Dem Ehemann und ihren Eltern missfällt diese Entwicklung möglicherweise. Es wird ihr vorgeworfen, auf diese Weise neue Probleme in der Familie zu schaffen. Im ungünstigen Falle bekommt sie daraufhin ein schlechtes Gewissen und zweifelt am Ende am Wert der Therapie. So können die für die Patientin zunächst positiven Wirkungen wieder kleiner werden, gegebenenfalls sogar ganz verschwinden.

 

Schwierigkeiten mit der Umwelt kann es verständlicherweise dann geben, wenn Sie infolge der Therapie Ihr Verhalten zum Nachteil anderer (Bekannte, Verwandte, Arbeitskollegen oder Freunde) ändern: Wenn Sie sich zum Beispiel durchsetzungsfreudiger oder weniger rücksichtsvoll verhalten als früher. Manchmal werden dann aufgrund der Reaktionen anderer sogar mühsam erreichte Entwicklungen lieber wieder rückgängig gemacht.

 

Allgemeine Regeln, wie dieses Problem zu bewältigen ist, gibt es wohl nicht. Vieles spricht jedoch dafür, wichtige Personen aus Ihrer Umgebung bereits während der Therapie in geplante Veränderungen mit einzubeziehen. Wenn das nicht oder nur schwer möglich ist, sollten Sie mögliche Reaktionen Ihrer Umwelt frühzeitig bedenken und diese bei der Planung und Umsetzung neuer Verhaltensweisen auch berücksichtigen. Ihr Therapeut wird Sie dabei unterstützen.

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 •  Aktualisiert am 23.07.2008