Das Ende der Therapie

Mit freundlicher Genehmigung entnommen aus dem empfehlenswerten Buch "Chance Psychotherapie" der Verbraucherzentrale Nordrhein-Wesfalen e.V..


»Ich hatte mich so an die Gespräche gewöhnt, dass mir der Übergang in die Zeit nach der Therapie schwer fiel. Gerade weil diese Zeit für mich so wichtig war und ich auch weitreichende Entscheidungen getroffen habe. Ich dachte damals, eigentlich könnte die Therapie so weiter gehen.“

[Patientin, 37 Jahre, Angst und Zwangsstörungen]

 

Zunächst gilt grundsätzlich, dass Sie jede Therapie zu jedem Zeitpunkt beenden können, wenn Sie dies für notwendig halten. Sinnvollerweise sollte dies aber erst dann erfolgen, wenn es Ihnen spürbar besser geht oder wenn Sie gelernt haben, anders als bisher mit Ihren Beschwerden umzugehen.

 

Wann aber ist dieser Zeitpunkt gekommen? Um das herauszufinden, können Sie an den Anfang der Therapiezurückkehren und sich fragen, ob Sie Ihr ursprüngliches Behandlungsziel erreicht haben. Das Therapieende hängt insofern auch davon ab, wie Sie dies formuliert haben. Es kann ziemlich viel Zeit erfordern, etwa »wieder ein ganz anderer Mensch werden zu wollen« oder »vollkommen beschwerdefrei zu werden«. Hingegen lässt sich das Ziel, »endlich einmal wieder eine kurze Strecke ohne Angstzustände Auto fahren zu können«, vermutlich schon nach einer überschaubaren Zeitspanne erreichen. Ein konkretes Behandlungsziel macht es also klarer, wann Ihre Therapie als beendet gelten kann. Allerdings legen einige Therapeuten nicht so viel Wert darauf, dies festzulegen. Sie lassen sich lieber vom Verlauf der Therapie überraschen. Ob das für Sie das Beste ist, sollten Sie selbst für sich entscheiden.

 

In der Praxis wird die Dauer und damit das Ende der Therapie häufig durch die Anzahl der Sitzungen bestimmt, für die die Krankenkasse die Kosten übernimmt. Eine Verlängerung erfordert einen umfangreichen schriftlichen Antrag an die Krankenkasse. Darin beschreibt Ihr Therapeut oder Ihre Therapeutin den bisherigen Behandlungsverlauf und begründet, warum eine Fortsetzung der Therapie in einem bestimmten Umfang nötig ist. Die Krankenkasse kann diesen Antrag auch ablehnen. In diesem Fall wird der Therapeut versuchen, Sie möglichst umgehend auf das nun bald bevorstehende Therapieende vorzubereiten. Um nicht unter Zeitdruck zu geraten, sollte der Verlängerungsantrag mindestens vier bis sechs Wochen vor dem letzten von der Krankenkasse bewilligten Behandlungstermin gestellt sein.

 

Gegen Ende einer Therapie wird häufig Bilanz gezogen, und es werden Fragen gestellt, die die zukünftige Entwicklung betreffen: Wie weit sind wir gekommen? Haben wir erreicht, was wir uns vorgenommen haben? Welche Schwierigkeiten wird es geben, wenn es die Möglichkeit des Austauschs nicht mehr gibt? Oder wenn neue Probleme auftauchen? Damit klingt an, dass am Ende der Therapie meist nicht ein vollkommen glücklicher und zufriedener Mensch steht, sondern dass Sie durch die neuen Erfahrungen bestehende Schwierigkeiten besser als zuvor lösen können.

"Jeder Weg hat mal ein Ende ... "

Was Sie tun können, um die Wirkung der Therapie zu erhalten

Fast ein Jahr lang jede Woche eine wichtige Begegnung, daran kann man sich schon gewöhnen. Jedoch können Sie vorsorgen, um sich den Abschied von der Therapie zu erleichtern und zugleich das Risiko eines Rückfalls zu begrenzen. Halten Sie sich vor Augen, dass Psychotherapie Ihren Alltag und Ihr Leben begleiten, diese aber nicht ersetzen sollten. Zugleich können Sie die Wirkung über das Ende der Behandlung hinaus stabilisieren. wenn Sie bereits während der Therapie Ihre neuen Erfahrungen und Einsichten auf Situationen außerhalb der Therapiesitzungen übertragen.

 

Ein guter Therapeut wird versuchen, Sie zum Ende der Behandlung wieder unabhängig von den Sitzungen werden zu lassen. Dazu kann er zum Beispiel die zeitlichen Abstände zwischen den Terminen verlängern. Falls Ihnen dies gegen Ende der Therapie nicht vorgeschlagen wird, können Sie selbst diese Möglichkeit ansprechen. Wenn es Ihnen hilft, können Sie mit dem Therapeuten auch einen zusätzlichen Termin einige Monate nach Therapieende vereinbaren. Grundsätzlich sollten die letzten Therapiestunden dafür aufgewendet werden, mögliche Schwierigkeiten in der Zeit nach der Therapie vorwegzunehmen und sich Lösungen zu überlegen.

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 •  Aktualisiert am 20.12.2007