Depressionen machen antriebslos und führen dazu, sich immer mehr zurück zu ziehen. Daher ist es leider sehr häufig so, dass die Betroffenen jedes Jahr wieder leiden, obwohl die beste Therapiemöglichkeit einfach und so gut wie ohne Nebenwirkungen ist: die Lichttherapie. Sie ist inzwischen als Behandlungsmethode bei Winterdepressionen anerkannt.
Wir brauchen das Licht, um wach zu werden und uns fit zu fühlen, es gibt uns Energie und hebt unsere Laune. Über eine ausreichende „Lichtbestrahlung“ wie bei der Lichttherapie können wir den Lichtmangel in Herbst und Winter kompensieren und die depressive Symptomatik verschwindet.
Patienten mit einer atypischen depressiven Symptomatik, wie unter „Symptome“ beschrieben, reagieren meist schon innerhalb von zwei bis vier Tagen auf die Therapie und die Beschwerden verbessern sich innerhalb von ein bis zwei Wochen. Patienten ohne vermehrtes Schlafbedürfnis und Heißhunger (insbesondere auf Kohlehydrate) sprechen seltener auf Lichttherapie an, können aber alternativ mit Psychotherapie wie auch medikamentös behandelt werden.
Lichttherapie: In Kliniken oder bei einem Arzt mit entsprechender Ausstattung werden die Patienten täglich eine halbe Stunde mit Licht in einer Intensität von 10.000 Lux (Lateinisch für Licht) bestrahlt. Das Licht entspricht dem Sonnenlichtspektrum aber ohne schädliche UV-Strahlung. Die Behandlung kann auch mit weniger Lichtintensität, z. B. 2500 Lux durchgeführt werden. Dies verlängert die Behandlungsdauer jedoch auf jeweils zwei Stunden. Als Nebenwirkungen können in seltenen Fällen Augenreizungen, Kopfschmerzen und Übelkeit auftreten.
Auch wenn eine erste Wirkung schnell eintritt, sollte die Lichttherapie weiterhin regelmäßig durchgeführt werden, am besten bis zu dem Zeitpunkt, an dem die depressive Verstimmung erfahrungsgemäß von alleine wieder verschwindet. Ansonsten wäre die Wahrscheinlichkeit eines Rückfalls recht hoch. Als günstig gilt eine Behandlung in den frühen Morgenstunden, dies ist jedoch keine notwendige Voraussetzung für einen Erfolg.
Lichttherapie-Geräte kann man bereits für zu Hause zur eigenen Nutzung kaufen. Allerdings sollte vor einer Eigenbehandlung unbedingt ein Facharzt oder Psychologe mit entsprechenden Fachkenntnissen zur Diagnose und Therapieplanung aufgesucht werden.
Natürlichere Methoden, sein tägliches Lichtpensum zu erhöhen, werden in der wissenschaftliche Literatur etwas „stiefmütterlich“ behandelt: Doch es hat sich erwiesen, dass auch Spaziergänge oder natürliche Heilmittel wie Johanniskraut eine Linderung der Beschwerden bewirken. Bei einem Spaziergang an einem trüben Wintertag beträgt die Lichtstrahlung ca. 2.000 Lux, an sonnigen Tagen deutlich mehr. Zum Vergleich: Ein heller Sommertag hat ca. 100.000 Lux, ein trüber Sommertag noch ca. 20.000 Lux. Büroräume sind hingegen mit etwa 250 bis 750 Lux beleuchtet. Um auf ähnliche Lichtwerte wie bei der Lichttherapie zu kommen, sollte man jeden Tag mindestens ein bis zwei Stunden nach draußen gehen, je nachdem ob es ein sonniger oder trüber Tag ist.
Zudem hat sich bereits körperliche Aktivität in zahlreichen wissenschaftlichen Untersuchungen als gutes Mittel gegen Depressionen bewährt, zumal diese als „Nebenwirkung“ noch weitere positive Effekte auf Körper und Seele hat. Nicht nur im Fall von Herbst- oder Winterdepression empfehlen sich also ausgedehnte Spaziergänge oder Joggen, insbesondere bei Tageslicht, um beide Effekte für sich zu nutzen.
Johanniskraut (Hypericum perforatum L.) ist bereits seit der Antike als Heilpflanze bekannt und hat sich inzwischen als naturheilkundliches Mittel bei der Behandlung von leichten und mittleren Depressionen bewährt. In der medizinischen Anwendung werden allerdings keine Tees und Tinkturen, sondern ein hochdosierter Johanniskraut-Extrakt verwendet. Die Wirkweise ist dabei vergleichbar mit den pharmazeutischen Antidepressiva. Genaue Abläufe, Hintergründe und Wirkmechanismen sind jedoch noch immer nicht geklärt.
Besonders interessant wird Johanniskraut in Hinsicht auf Winterdepressionen durch einen weiteren Effekt: es steigert die Lichtempfindlichkeit. Das menschliche Auge kann dadurch mehr Licht aufnehmen und so den Lichtmangel im Winter besser ausgleichen. Bedauerlicherweise gibt es zu diesem Thema bisher sehr wenig Forschungsliteratur. So kann beispielsweise noch nicht gesagt werden, ob für die Steigerung der Lichtempfindlichkeit bereits niedrigere Dosierungen in Form von Tees ausreichen oder ob weniger Lux bei der Lichttherapie zusammen mit Johanniskraut ausreichend wären usw.Schon bald nach der ersten Einnahme tritt eine Steigerung der Lichtempfindlichkeit ein, die oben beschriebene Wirkung als Antidepressivum jedoch erst nach vier bis sechs Wochen. Daher kann eine Einnahme vor Eintreten der Symptome empfehlenswert sein. Obwohl Johanniskraut ein Naturheilmittel darstellt, ist auch bei dieser Behandlung für die Diagnose und Therapieplanung das Gespräch mit einem Facharzt oder anderen Experten ratsam.
Neben all den therapeutischen und natürlichen Möglichkeiten ist es für die Patienten wichtig, dem sozialen Rückzug zu widerstehen. Denn gerade in einer depressiven Phase sind Freunde und Familie wohltuend. Die wiederum sollten die Erkrankten ernst nehmen und Geduld mit ihnen haben. Aufforderungen wie „Kopf hoch, das wird schon“ oder „Nun reiß Dich mal zusammen“ helfen nicht. Im Gegenteil, sie signalisieren den Erkrankten, dass ihr Zustand belächelt wird. Das Einbeziehen ins gemeinschaftliche Leben, kleine Aufmerksamkeiten, gemeinsame Spaziergänge oder andere Aktivitäten unterstützen die Genesung einer Person, die an Winterdepressionen leidet.
Teil 1: Definition und Symptome einer Winterdepression
Teil 3: Therapeutensuche