Häufigkeiten, Verlauf und Diagnose von Angststörungen

Wie häufig kommen Angststörungen vor? 

Angststörungen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen überhaupt: Etwa fünf bis 15 Prozent der Menschen leiden mindestens einmal im Leben an einer Angststörung. Dabei sind Frauen von den meisten Angsterkrankungen doppelt so häufig betroffen wie Männer – es  gibt aber auch Ängste, die bei Männern und Frauen gleich häufig auftreten.

Welchen Verlauf nehmen Angststörungen in der Regel?

Wenn jemand erst einmal ausgeprägte Ängste entwickelt hat, verschwinden diese meist nicht einfach wieder von alleine. Das bedeutet, dass die meisten Angsterkrankungen ohne Behandlung chronisch verlaufen und oft über Jahre oder Jahrzehnte bestehen bleiben. Darüber hinaus treten sie häufig zusammen mit anderen Erkrankungen auf, insbesondere mit Depressionen und dem Missbrauch oder der Abhängigkeit von Alkohol, Drogen oder Medikamenten. So fühlen sich viele Betroffene durch die anhaltenden Ängste und die Einschränkungen im Alltag niedergeschlagen und hoffnungslos. Andere versuchen, die Angst mit Alkohol oder Drogen zu bekämpfen und benötigen mit der Zeit immer mehr davon. Auch so genannte somatoforme Störungen treten relativ häufig zusammen mit Angsterkrankungen auf. Hier leiden die Betroffenen an einer Reihe körperlicher Symptome, die vermutlich durch psychische Faktoren zustande kommen.   

 

Es gibt aber auch eine gute Nachricht: Mithilfe geeigneter Therapiemethoden lassen sich Angststörungen in den meisten Fällen gut in den Griff bekommen. Am günstigsten ist die Prognose, wenn die Angst noch nicht allzu lange vorhanden ist. Aber auch Ängste, die bereits seit Jahren bestehen, gehen durch eine Therapie häufig deutlich zurück, so dass sich auch hier die Lebensqualität der Betroffenen oft deutlich verbessert.

 

Wie wird eine Angststörung diagnostiziert?

Um die Diagnose einer Angststörung stellen zu können, ist es wichtig, die aktuelle Symptomatik, die Entstehung und den Verlauf der Ängste genau zu kennen. Daher wird der Arzt oder Psychotherapeut mit dem Betroffenen zunächst ein ausführliches Gespräch führen. Hierbei werden häufig Fragen zur Lebensgeschichte und zu früheren oder aktuellen Belastungen gestellt. Das Gespräch dient auch dazu, herauszufinden, ob die Angst das hauptsächliche Problem ist oder ob sie im Rahmen einer anderen psychischen Erkrankung, zum Beispiel einer Depression, auftritt. Um genau festzustellen, wie oft und in welchen Situationen die Ängste auftreten, werden oft auch Fragebögen einsetzt.

 Da Ängste sehr häufig mit körperlichen Veränderungen wie Herzrasen, Atemnot oder Schweißausbrüchen einhergehen, muss auch überprüft werden, ob eine körperliche Ursache hinter den Symptomen stecken könnte. So kann zum Beispiel eine Überfunktion der Schilddrüse dazu führen, dass jemand unter Nervosität, Gereiztheit und erhöhter Ängstlichkeit leidet. Auch die Symptome einer Herzerkrankung, zum Beispiel einer koronaren Herzkrankheit oder einer Angina Pectoris, können mit starker Angst einhergehen. Weiterhin können auch Medikamente wie zum Beispiel Schilddrüsenpräparate als Nebenwirkung Ängste auslösen.

Um eine körperliche Erkrankung auszuschließen, wird eine Reihe körperlicher Untersuchungen durchgeführt. Dazu gehören meist eine Blutuntersuchung und ein EKG, bei dem die elektrische Aktivität des Herzens gemessen wird. Zum Teil wird auch eine Untersuchung des Kopfes mithilfe der Magnet-Resonanz-Tomographie (MRT) oder der Computertomographie (CT) durchgeführt. 

Die Diagnose „Angststörung“ kann nur gestellt werden, wenn die Angst nicht durch eine körperliche Erkrankung oder Medikamente ausgelöst wird. Liegt dagegen eine körperliche Erkrankung vor, muss zunächst diese medizinisch behandelt werden. Häufig verschwinden dann auch die Angstsymptome wieder vollständig.

 

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 •  Aktualisiert am 18.06.2013