Bei einer spezifischen Phobie steht die Angst vor konkreten Objekten oder Situationen im Vordergrund. Häufig treten Ängste vor Tieren (z. B. Spinnen, Hunden, Mäusen), Naturgewalten (z. B. Gewitter, Wasser) oder Situationen, in denen eine Gefahr vermutet wird (z. B. vor Höhe, U-Bahnen, Aufzügen, Tunneln oder Fliegen im Flugzeug) auf. Ein weiteres Merkmal der spezifischen Phobie ist, dass die gefürchteten Situationen vermieden oder nur unter intensiver Angst ausgehalten werden.
Ängste vor bestimmten Dingen oder Situationen kommen bei vielen Menschen vor. Von einer spezifischen Phobie spricht man nur dann, wenn die Angst sehr ausgeprägt ist und die beruflichen und sozialen Aktivitäten erheblich einschränkt. Gleichzeitig wissen die Betroffenen im Grunde, dass ihre Angst übertrieben ist und in Wirklichkeit keine oder keine große Gefahr besteht.
Die Angaben zur Häufigkeit der spezifischen Phobien sind in verschiedenen Studien sehr unterschiedlich. Demnach sind zwischen sechs und 15 Prozent der Bevölkerung in ihrem Leben von einer spezifischen Phobie betroffen. Die Angst kann in jedem Lebensalter beginnen, tritt aber in den meisten Fällen in der Jugend oder im frühen Erwachsenenalter zum ersten Mal auf. Ohne Behandlung bleibt die Angst meist dauerhaft bestehen.
Frau H. arbeitet im mittleren Management eines großen Industriekonzerns und ist beruflich häufig unterwegs. Eigentlich hat sie das Unterwegssein immer genossen und die langen Flüge als willkommene Auszeit gesehen, um sich vom Stress in ihrem Job zu erholen. Bei einem Flug über den Atlantik gerät das Flugzeug jedoch in heftige Turbulenzen. Der Captain versichert zwar, dass alles in Ordnung sei – dennoch denkt Frau H.: „Ob wir hier je wieder heil herauskommen?“ Ihr Herz schlägt heftig, und ihr treten Schweißperlen auf die Stirn.
Obwohl Frau H.‘s nächster Flug nur von Frankfurt nach Hamburg geht, empfindet sie schon beim Check-In ein mulmiges Gefühl. Als sie in der Abflughalle sitzt, rast ihr Herz und sie denkt: „Ich werde es nie schaffen, in das Flugzeug einzusteigen.“ Den ganzen Flug über hat Frau H. starke Angst, achtet auf jedes Geräusch und ist extrem angespannt. Vor dem übernächsten Flug nimmt sie eine Tablette Tavor – ein Beruhigungsmittel, das eine Freundin ihr empfohlen hat. Von da an steht sie kürzere Flüge nur noch durch, wenn sie vorher Tavor genommen oder ein Glas Alkohol getrunken hat. Aus Angst vor längeren Flügen lässt sie sich in eine andere Abteilung versetzen, in der sie nur noch Aufträge innerhalb Deutschlands erfüllen muss.
Einen Fragebogen zur spezifischen Phobie finden Sie hier: http://www.therapie.de/psyche/info/test/spezifische-phobie/
Eine Blut-, Verletzungs- und Spritzenphobie (kurz: Blutphobie) ist eine Sonderform der spezifischen Phobie. Auch hier haben die Betroffenen Angst vor Situationen, die an sich nicht gefährlich sind – nämlich davor, Blut oder Spritzen zu sehen, sich zu verletzen oder Spritzen zu bekommen. Daher vermeiden sie solche Situationen oder ertragen sie nur mit großer Angst. Eine Besonderheit bei Blutphobikern ist jedoch, dass sie in den Angstsituation dazu neigen, in Ohnmacht zu fallen.
Dazu kommt es, weil die Betroffenen beim Kontakt mit den angstauslösenden Reizen eine spezifische, so genannte biphasische Reaktion zeigen. Hierbei steigen Herzschlag und Blutdruck durch die Angst zunächst an und fallen anschließend abrupt ab. Gleichzeitig kommt es auch zu einer Erweiterung der Blutgefäße. Dadurch „sackt“ das Blut im Körper nach unten „ab“, und dem Gehirn steht kurzzeitig zu wenig Blut zur Verfügung. Die Neigung zur Ohnmacht scheint vor allem bei Menschen vorzukommen, bei denen eine Fehlregulation des autonomen Nervensystems, das die Funktion der inneren Organe reguliert, vorliegt. Diese ist vermutlich zum Teil genetisch bedingt.
Etwa drei bis vier Prozent der Bevölkerung sind im Lauf ihres Lebens von einer Blut-, Verletzungs- und Spritzenphobie betroffen.
Herr S. ist 28 Jahre alt, Sportlehrer, gesund und gut durchtrainiert. Doch seit seiner Jugend hat er ein Problem damit, zum Arzt zu gehen. Jedes Mal, wenn ihm dort eine Impfung gegeben oder Blut abgenommen werden soll, wird ihm ganz schwindelig, und er „kippt um“. Auch zu Hause ist ihm das schon passiert, als er sich bei einer Handwerksarbeit leicht in den Finger geschnitten und geblutet hat. Schon beim Anblick von Spritzen oder beim Geruch von Desinfektionsmitteln bekommt Herr S. Herzrasen und fühlt sich schwindelig und benommen. Als seine Oma vor kurzem im Krankenhaus lag, gelang es ihm nicht, sie zu besuchen. Außerdem schiebt er Arztbesuche immer so lange wie möglich vor sich her.