Das charakteristische Merkmal einer Panikstörung ist, dass unerwartet, „wie aus heiterem Himmel“ starke Angst auftritt. Diese „Angstanfälle“ werden nicht durch ein bestimmtes Objekt oder eine bestimmte Situation ausgelöst – für die Betroffenen sind sie also unvorhersehbar und damit besonders bedrohlich. Während einer Panikattacke steigt die Angst innerhalb weniger Minuten bis zu sehr starker Angst hin an und klingt anschließend allmählich wieder ab. Die meisten Angstanfälle dauern zwischen zehn Minuten und einer halben Stunde – sie können aber auch kürzer oder länger anhalten.
Während einer Panikattacke treten starke körperliche Symptome auf, die von den Betroffenen als bedrohlich erlebt werden. Dazu gehören Herzrasen, ein Engegefühl in der Brust, das Gefühl zu ersticken, Übelkeit, Schwitzen, Zittern sowie Schwindel und ein Gefühl der Unwirklichkeit. Weiterhin befürchten viele Betroffene während einer Panikattacke, in Ohnmacht zu fallen, zu sterben oder verrückt zu werden. Wegen der ausgeprägten körperlichen Symptome glauben viele zudem, an einer körperlichen Erkrankung – insbesondere an einer Herzerkrankung – zu leiden, und gehen deshalb wiederholt zum Arzt.
Die starken und unvorhersehbaren Ängste führen auch dazu, dass viele Menschen mit Panikstörung ein ausgeprägtes Vermeidungsverhalten entwickeln. Sie meiden insbesondere Orte und Situationen, aus denen sie im Notfall nicht schnell fliehen könnten (z. B. volle Geschäfte, U-Bahnen, Kinos) oder in denen im Notfall keine schnelle Hilfe zur Verfügung stehen würde.
Liegt ein solches Vermeidungsverhalten vor, spricht man auch von einer Panikstörung mit Agoraphobie bzw. von einer Agoraphobie mit Panikstörung.
Studien zufolge leiden zwischen einem und fünf Prozent der Bevölkerung an einer Panikstörung. Einzelne Panikanfälle, die nicht das volle Krankheitsbild einer Panikstörung erfüllen, sind jedoch wesentlich häufiger: Sie treten bei 15 bis 30 Prozent der Bevölkerung auf. In den meisten Fällen beginnt eine Panikstörung zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr. Ohne Behandlung ist der Verlauf meist chronisch-fluktuierend, das heißt, die Panikattacken treten phasenweise häufiger oder seltener auf, die Störung verschwindet jedoch nicht wieder von alleine.
Einen Fragebogen zur Panikstörung finden Sie hier: http://www.therapie.de/psyche/info/test/panikstoerung/
Umgangssprachlich bezeichnet man mit „Agoraphobie“ meist die Furcht, sich auf öffentlichen Plätzen oder in Menschenmengen aufzuhalten. Im psychodiagnostischen Sinne ist mit Agoraphobie jedoch die Angst vor Situationen gemeint, die man im Notfall nur schwer verlassen könnte (z. B. Menschenmengen, Warteschlagen, öffentliche Verkehrsmittel) oder in denen im Notfall nur schwer Hilfe zu erreichen wäre. Dabei befürchten die Betroffenen häufig, dass ihnen in einer solchen Situation etwas Peinliches passieren könnte, zum Beispiel, dass sie in Ohnmacht fallen oder die Kontrolle über ihre Blase verlieren könnten. Diese Befürchtungen und die Angst führen dann häufig zur Vermeidung der entsprechenden Situationen. Eine Agoraphobie kann entweder alleine oder zusammen mit einer Panikstörung (siehe oben) auftreten.
Die Angaben zur Häufigkeit der Agoraphobie sind von Studie zu Studie etwas unterschiedlich. Demnach sind etwa ein bis acht Prozent der Bevölkerung von einer Agoraphobie betroffen. Ähnlich wie die meisten anderen Angststörungen tendiert eine Agoraphobie dazu, ohne Behandlung dauerhaft bestehen zu bleiben.
Einen Fragebogen zur Agoraphobie finden Sie hier: http://www.therapie.de/psyche/info/test/agoraphobie/
Plötzlich fängt ihr Herz an, wie wild zu rasen. Sie hat das Gefühl, kaum noch Luft zu bekommen, und zittert am ganzen Körper. Gleichzeitig fühlt sie sich unwirklich und „wie betäubt“ und bekommt große Angst, plötzlich umzukippen oder sogar zu sterben. In Panik rennt die 25-Jährige aus dem belebten Kaufhaus auf die Straße. Nachdem sie eine Viertelstunde durch die Straßen gelaufen ist, lassen die seltsamen Symptome allmählich wieder nach, und kann Frau R. beruhigt sich allmählich wieder.
Zwei Wochen später erlebt sie jedoch wieder eine ähnliche „Herzattacke“, als sie an einem überfüllten Bahnsteig auf die U-Bahn wartet. In Panik ruft sie ihren Freund an, der sofort zu ihr kommt, sie beruhigt und mit ihr zusammen nach Hause fährt. Am nächsten Tag geht Frau R. zum Hausarzt, um herauszufinden, was mit ihr „nicht stimmt“. Dieser stellt jedoch fest, dass ihr Herz gesund ist und auch sonst keine organische Erkrankung vorliegt. Aus Angst vor weiteren „Attacken“ geht Frau R. nun jedoch belebten Orten aus dem Weg, vermeidet die U-Bahn und kehrt nach der Arbeit meist schnell in ihre Wohnung zurück. Trotzdem erlebt sie alle ein bis zwei Wochen erneut einen Angstanfall.